Die Vorbereitung

Die erste Stunde nach den Ferien: Wir sind wieder vollständig, da auch die „Auslandsschüler“ zurückgekehrt sind. Nun sitzen, hängen und lagern 19 Schülerinnen und Schüler der jetzigen 12. Klasse unserer Waldorfschule auf ihren Plätzen, wobei das Interesse an allem eher verhalten ist. Herr Reibel hat zunächst einige organisatorische Dinge angekündigt. Nachdem der Zeitplan für die Jahresarbeit besprochen wurde, geht es um die Besonderheiten des Stundenplans für dieses Jahr. Außerdem muss dringend ein Klassenspiel gefunden werden, dessen Aufführung im März 1996 stattfinden soll. Doch wer wird es mit uns einüben? Herr Marks hat doch angekündigt, dass er bis auf Weiteres keine Klassenspiele mehr mit der Oberstufe einüben wird. Das Wort „Abitur“ fällt, und eine spürbare Unruhe breitet sich in der Klasse aus. Der Hauch des „Ernst des Lebens“ weht uns zaghaft entgegen. Bis zur Jahreswende muss entschieden werden, ob wir zum Abitur zugelassen werden. Irgendwie klingt das nach Arbeit und Unbarmherzigkeit. Schließlich müssen wir auch noch über die Klassenfahrt der 12. Klasse sprechen. Herr Haensel wird daher in der nächsten Stunde dazu kommen.
Zweite Verfügungsstunde nach den Ferien: Herr Reibel, Herr Cieslik und Herr Haensel werden mit uns das Thema Klassenfahrt durchsprechen. Das ist der Augenblick, wo sich jeder in der Klasse zurücklehnt und die phantastischsten Bilder fremder Völker, ferner Länder und ungeahnter Abenteuer an seinem inneren Auge vorbeiziehen lässt. Üblicherweise fährt die 12. Klasse einer jeden Waldorfschule zu einer Kunst- und Geschichtsreise. Die 12. Klassen aus unserer Schule sind überwiegend nach Italien gefahren, in die Nähe von Florenz. Das wäre auch für uns das logischste und einfachste gewesen. Alles wäre schon einmal durchlebt worden, die Organisation wäre zum größten Teil fertig und das dortige Programm ebenfalls. Andere Klassen fuhren nach Prag, oder nach Paris. In unseren Vorstellung überschlägt sich alles. Man kann so viel machen. Erhebliche Erregung und Aktivität bemächtigt sich der Klasse. Man könnte mit dem Planwagen durch Polen fahren. Oder vielleicht mit den Kajaks durch Lappland paddeln.
Nein, noch besser wäre doch, durch Kanada zu wandern. Allerdings könnten wir auch nach Frankreich fahren. Schottland besichtigen. England im allgemeinen … oder eine einfache Fahrt nach Israel. Diese Idee, eigentlich nur als flapsige Bemerkung gedacht, fand schnell viele Freunde. Und so wurde aus einem Witz eine echte Alternative, die nicht auf zu viele Gegner stieß.
So sollte es sein. Im September fingen wir an, diese Fahrt ernsthaft in Angriff zu nehmen. Was musste gemacht werden, damit diese doch etwas ungewöhnliche Fahrt zustande kommen könnte? Zuerst einmal mussten alle Eltern zustimmen. Da war schon das erste Problem, aus dem ein zweites resultierte. Die Eltern wollten nur zustimmen, wenn sie nicht mehr bezahlen müssten, als bei einer Fahrt nach Italien, was bei ca. 800 DM lag. Also mussten wir uns darum kümmern, dass wir soviel Geld zusammen kriegten, um dies zu ermöglichen. Konnte man möglicherweise Zuschüsse beantragen? Spenden erbitten? Als Klasse Geld erarbeiten? Lange Debatten mit den Eltern auf dem Elternabend. Bis wir uns dahingehend einigten, dass eine Mutter „mal herumtelefonieren“ wollte, welche Zuschussmöglichkeiten bestünden und in drei Wochen würde weiterverhandelt. Auch mussten wir die Lehrer fragen, ob sie diese Fahrt verantworten könnten. Denn die Zustimmung des Kollegiums war die wichtigste Voraussetzung. Diese stimmten glücklicherweise zu. Und so schlossen sich am Ende des Monats einige Schüler, darunter ich, zusammen, um einmal aktiv die Planung dieser Fahrt in die Hand zu nehmen. Eine andere Vorstellung war, dass wir, auch um die Kosten zu senken, Waldorfschulen in Israel anschreiben könnten und einen Austausch mit deren Schülern anregen könnten. Also schrieben wir als erstes an die Waldorfschule in Harduf.

Beim nächsten Gespräch mit den Eltern wurde vage mitgeteilt, dass es beim Ministerium für politische Bildung, beim Kultusministerium und beim Ministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend durchaus Zuschussmöglichkeiten gäbe. Frühere Gruppen hätten dort ebenfalls Zuschüsse bekommen. Also einigten wir uns darauf, dass wir dann die Fahrt nach Israel unternehmen würden, wenn die Kosten der Reise für die Eltern den Betrag von 800 DM nicht überstiegen und wir die inzwischen rund 2.100 DM pro Person teure Reise anderweitig finanzieren könnten. Auch wurde beschlossen, anstelle der üblichen zwei Wochen eine Ferienwoche dazuzunehmen. Direkt zu Ostern sollte der Abfahrttermin sein und drei Wochen dauern. Erfreulicherweise sagten beide begleitenden Lehrer spontan zu, diese eine Woche auch ihrer Ferien zu opfern und sie mit uns auf der Klassenfahrt zu verbringen. In unserer „Planungsgruppe “begannen wir also, Ministerien, Institutionen und Stiftungen ausfindig zu machen, bei denen wir eventuell Zuschüsse erbitten konnten. Wir hatten bald einige Adressen zusammen und trafen uns, um die ersten Briefe zu schreiben. Da tauchte ein neues Problem für uns auf: wie schreibt man eigentlich formal richtige Briefe. Man fängt wohl an mit … Nein, nein, das muss anders! Als dann unser erster „Bettelbrief“ an Professor Dr. Rita Süssmuth von der CDU fertig war, waren wir schon ganz stolz. Im November schrieben wir wieder Briefe: an das Bundesministerium für Familien und an das Kultusministerium. Drei Tage später wurde wieder ein Serienbrief verfasst und an folgende Institutionen geschickt:

  1. die Robert-Bosch-Stiftung,
  2. die Sparkassenstiftung in Göttingen
  3. die Axel-Springer Stiftung.

Der erste Brief an Professor Dr. Rita Süssmuth hatte folgenden Inhalt:

Sehr geehrte Frau Dr. Rita Süssmuth,
wir, die Schüler der 12. Klasse der Freien Waldorfschule Göttingen, möchten als Abschlußfahrt des 12. Schuhljahres eine Studienreise nach Israel unternehmen. Wir sind eine Gruppe von 19 Schüler/innen im Alter von 17- 18 Jahren und drei Betreuern. Die Studienfahrt findet im April oder Mai 1996 statt und wird drei Wochen dauern. Unser Ziel ist es, das Land kennenzulernen und Kontakte zu dort lebenden Jugendlichen zu knüpfen. Wichtig ist es uns außerdem, mehr über die Kultur, die geschichtliche und aktuelle Situation des Landes zu erfahren.
Um diese Fahrt verwirklichen zu können, haben wir uns, in der Hoffnung auf finanzielle Unterstützung an Sie gewandt.
Wir wären Ihnen für eine baldige und positive Antwort sehr dankbar!
Mit freundlichen Grüßen, die Vertreter der 12. Klasse

Als erstes meldete sich das Kultusministerium wieder. Sie sagten uns zu, die unsere Fahrt begleitenden Lehrer zu finanzieren, aber mehr können sie uns leider auch nicht geben. Dann kam das Ministerium für Familien und teilte uns zu seinem Bedauern mit, dass sie für unsere Zwecke keine Fördermittel zur Verfügung hätten. Dann kam ein Brief von der Axel-Springer-Stiftung, die Interesse signalisierten. Sie wollten einen Kosten- und Finanzierungsplan haben und über unsere bisherigen Vorbereitungen informiert werden. Ich setzte mich also einen Nachmittag lang hin und schrieb ihnen, was sie wissen wollten.

Daraufhin antwortete die Stiftung wieder, sie werde über einen Zuschuss auf der nächsten Sitzung entscheiden. Die meisten Antworten allerdings, die wir erhielten, beinhalteten so etwas wie: „Wir haben leider selber kein Geld“. Es waren sehr frustrierende Wochen, in denen immer wieder neue Briefe geschrieben und verneinend beantwortet wurden. Zu dieser Zeit wurde der israelische Premier Jitzhak Rabin von einem orthodoxen Juden ermordet. Dieser Vorfall ging auch an uns nicht unbemerkt vorbei, aber wir machten uns nicht allzu viele Gedanken darum, inwieweit dies nun unsere Fahrt betreffen könnte. Im November fand an unserer Schule ein Adventsbasar statt. Wir überlegten, dass wir neben der Bastelei und dem Verkauf für die Schule auch in unserer Klasse einen riesengroßen Losverkauf machen wollten. Wochenlang sammelten wir Dinge, die Preise werden sollten, wochenlang schrieben wir Loszettel. Auch organisierten wir vor unserer Klasse einen Waffelstand. Den ganzen Tag lang wurden dort aus mitgebrachtem Teig Waffeln mit verschiedenen Füllungen gebacken und verkauft. Unser Erlös betrug nach einem sehr arbeitsreichen  Basartag fast 2.000 DM für unsere Reisekasse. Auch zu dieser Zeit wurden unsere Finanzen wieder und wieder überprüft. Es sah nicht allzu gut aus. Unser finanzielles Loch war noch zu groß. Uns fehlten noch rund 15.000 DM, die wir schnell kriegen mussten. Es wurde also beschlossen, dass wir auf einem Elternabend am 13.12.1995 entscheiden wollten, ob diese Fahrt nach Israel stattfinden konnte, oder nicht. Dies sollte, wie kann es anders sein, hauptsächlich von dem Geld abhängen, welches wir bis dahin hatten. Oder auch nicht. Als der Dezember kam, verließ uns der Mut gänzlich. Wir hatten noch keine finanziellen Unterstützungen und der Elternabend stand vor der Tür. Unser Klassenvermögen belief sich grade mal auf die Hälfte der Fahrtkosten. Ich glaube viele, auch aus unserem „Planungsgrüppchen„, denn mehr waren es schon lange nicht mehr, hatten den Glauben an unsere Fahrt bereits aufgegeben. Ich war auch schon so weit, dass ich die positiven Aspekte von Italien zusammenzusuchen begann und mich mit Spagetti und Pizza anfreundete. Doch  dann passierte das, womit, glaube ich, keiner mehr gerechnet hatte:
in eine Mathestunde am Montagmorgen guckte eine unserer Schulsekretärinnen herein und sagte nur „Die Axel-Springer-Stiftung hat uns 12.000 DM als Spende zugesagt!“.
Es herrschte absolute Stille.
Sekundenlang. Schrecksekundenlang.
Ein kollektives, tiefes Einatmen.
Und dann herrschte unbeschreibliches Durcheinander. Jeder erzählte jedem, was er eben gehört hatte. Jeder schlug jedem auf eine Schulter…oder ins Kreuz…oder umarmte einfach einen…oder eine…oder verfiel in ein selbst bestätigendes Schweigen: „Ja! Wir haben es geschafft!“. Die Mathestunde war von diesem Zeitpunkt an, zum Ärger des Lehrers, für die meisten völlig uninteressant. Immer wieder wurde durchgerechnet, dass uns ja jetzt „nur noch“ 2.000 DM fehlten. Ach, die würden wir schon noch zusammen kriegen! Das Jubelgefühl war unbeschreiblich, denn nun war für uns klar, dass wir nach Israel fahren konnten. Irgendwie bekam das ganze für uns nach der ersten heftigen Reaktion schon fast eine mystische Dimension: wir fühlten uns wie ein Teil eines Wunders. Bei uns machte in freier Adaption das Wort „…und es bewegt sich doch…“ die Runde.
Am nächsten Tag war Elternabend, zu dem wir die telefonische Zusage der Zuwendung hatten. Diese löste auch bei den Eltern Freude aus. Zustimmungen wurden erteilt. Die konkrete Planung wird an einen Elternteil delegiert. Innerhalb einer Woche soll die genaue Reiseplanung stehen. Es soll ein Unternehmen gesucht werden, das uns drei Wochen lang alle historischen Stätten Israels zeigt, bei dem wir tiefe Einblicke in Geschichte und Gegenwart erhalten, das uns genug Freiräume für Gespräche schafft, um auch gegenwärtige Politik begreifen zu lernen und bei dem wir möglichst viel vom Land sehen. Aber mit der Erfahrung, dass aussichtslos Erscheinendes durch ein „Wunder“ machbar wird, denken wir, dass auch diese Aufgabe zu bewältigen sein wird. By the way: wie Herr Haensel jetzt sagte, wäre eine Reise nach Italien zu Ostern ’96 nicht möglich gewesen.

Tags darauf liefen Telefone heiß:

  1. ein Reiseunternehmen in Kassel
  2. der deutsche Jugenherbergsbund in Detmold
  3. ein Reisebüro in Göttingen
  4. ein Unternehmen in Berlin

wurden gebeten, innerhalb von 24 Stunden ein Angebot für 22 Personen abzugeben, das die vorher beschriebenen Möglichkeiten bietet und den Preis von 2.100 DM nicht übersteigt. Die Reise soll von Ostern 1996 an drei Wochen dauern. Ein Unternehmen fragte, ob der Preis für drei Wochen Israel ein Witz sein solle. Das Doppelte, dann ja. Ein Unternehmen fragte, ob der Zeitpunkt der Reise ein Witz sein solle – im Dezember 1996 hätte man vielleicht eine Chance; vielleicht könnten wir mehr über den direkten Kontakt zum Verkehrsministerium in Israel erreichen. Ein Unternehmen füllte für den Preis gerade mal elf Tage. Und just das Göttinger Reisebüro schickte uns (als einziges auch fristgerecht) ein Fax, in dem sie ein Angebot für eine Fahrt nach Israel unterbreiteten, das all unseren Ansprüchen gerecht wurde (siehe Anhang). Diesem Vorschlag konnten wir nur begeistert zustimmen. Reiselust und Übermut machten sich breit. Auch vermittelte jenes Reisebüro Herrn Haensel, als einen unserer Begleitlehrer, eine einwöchige Informationsreise nach Israel. Er sollte dort alles kennenlernen, um notfalls als Reiseführer fungieren zu können. Diese Reise war umsonst.
Schnell wurden noch einige Bettelbriefe geschrieben an:

  1. Zentrale Wohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland E.V.
  2. Volkswagenstiftung
  3. Ministerpräsidenten Dr. J. Rau
  4. Göttinger Gruppe Securenta
  5. Gothaer Versicherung

Und dann waren Weihnachtsferien.
Nach Schulbeginn im Januar ’96 wurden wir auch zuerst wieder mit „dem Ernst des Lebens“ konfrontiert – die Kurseinteilung für das Abitur war vorzunehmen. Die notwendigen Zulassungen zum Abitur waren zu dieser Zeit schriftlich erteilt worden. Auch nahm von jetzt an die Probearbeiten zum Klassenspiel im März ’96 und die dazugehörenden Vorbereitungen hinsichtlich der Requisiten, der Kulissen, etc. erheblichen Zeitaufwand in Anspruch. An vier Nachmittagen der Woche standen wir auf der Bühne, manchmal bis in die Nachtstunden. An einem Nachmittag der Woche war Sport. Und vormittags erwarteten die Lehrer konzentrierte, interessierte und lernfreudige Gymnasiasten. Es mag dahingestellt bleiben, ob das immer so war. Unser Klassenlehrer, der auch mitfahren hätte sollen, musste absagen. Wir mussten uns also um einen dritten Erwachsenen bemühen, der uns nach Israel begleitete. Unter den Lehrern war es schwierig, da viele Klassenfahrten nach Ostern stattfanden. Aber auch andere Reisevorbereitungen wurden betrieben; zwischenzeitlich hatten wir zwei weitere Briefe erhalten, die einen Zuschuss ankündigten: eine Institution und eine Privatperson aus dem Vorstand einer Institution, die sich sonst zu keiner Spende in der Lage sah. Und Absagen, Absagen, Absagen. Alle wünschten dennoch alles Gute und viele nannten uns weitere Ansprechpartner.
Im Januar gab es auch einen ersten Schock: als wir uns erkundigen wollten, wie wir die Zuschüsse für unsere Begleitpersonen beantragen sollten, wurde uns mitgeteilt, dass es sich bei der damaligen Zusage um einen Irrtum gehandelt habe – wir als freie Schule wären nicht anspruchsberechtigt. Lange Gesichter. Plötzlich fehlen wieder 6.300 DM. Wir hatten doch gebucht! Bei den uns zur Verfügung stehenden Zeiträumen hatten wir wegen der Flüge nicht länger warten können. Aber einer kurzen Phase der Niedergeschlagenheit folgte die fast an Größenwahn grenzende Beschwörungsformel: „…irgendwie schaffen wir das schon…“.

Vortrag von Professor Dr. Schaller 25.01.1996 vor unserer Klasse

Professor Dr. Schaller lehrt an der theologischen Fakultät in Göttingen Judaistik und hatte Gastprofessuren in Jerusalem. Professor Dr. Schaller ist ein behänder, kleiner Mann, der sich vor unsere Klasse setzt, uns alle mit funkelnden Augen betrachtet und freundlich fragt: „Was unterscheidet das Leben in Israel zu dem unserem? Ist die dortige Gesellschaft mit der unseren zu vergleichen?“ Wir schwiegen erst mal alle und starrten ihn an.

Gottseidank beginnt immer einer von uns, und so konnten wir offensichtliche, allgemeine Dinge zusammentragen: der Wochenrhythmus ist anders; Freitag und Samstag ist in Israel frei, während der Sonntag Arbeitstag ist. Nur in Haifa fahren samstags Busse. Die religiöse Prägung (wobei man als richtig religiös maximal 15-20 % der Bevölkerung einstufen kann) hat zu dieser Sabbatruhe geführt. Alles, was als Arbeit angesehen werden könnte, wird am Sabbat nicht getan: Nahrungszubereitung, Arbeiten, Autofahren, Feuermachen, Saubermachen, etc. Extrem orthodoxe Juden sind sogar der Meinung, dass man am Sabbat nur wenige hundert Meter gehen solle (was sich wiederum die Moslems zu ihrem Vorteil machten: am Wochenende sind die Grünanlagen relativ leer, da die orthodoxen Juden nicht hinaus zum picknicken fahren dürfen. Man findet an allen grünen Stellen die moslemischen Familien, die die Leere sichtlich genießen). Die Hauptidee des Sabbat ist die Ruhe. Neben den Tätigkeitsverboten kann es auch zu einem Durchsetzen eigener Ideologie führen: in Jerusalem sind die orthodoxen Viertel am Sabbat abgesperrt. Eine weitere Unterscheidung zu unserer Kultur sind die religiösen Feste. Insbesondere wird in Israel das Neujahr- und Versöhnungsfest gefeiert (letzteres ist vergleichbar mit unserem Osterfest), während dort natürlich Weihnachten, Ostern und Himmelfahrt und Pfingsten keine Bedeutung haben.
Dr. Schaller führte uns dann sehr ausführlich in die Geschichte Israels ein. Da später mehrere Referate über die (politische) Geschichte Israels gehalten wurden und diese im Anschluss abgedruckt sind, wird hier auf die genaue Darstellung dieses Geschichtsaspektes verzichtet.

„Israelit ist ein ethnischer Aspekt“ sagte Professor Dr. Schaller. Man sei Israelit von Geburt, könne es nicht werden, sagte er ebenfalls. Wir versuchten lange im Gespräch, eine Annäherung an dieses Gefühl zu finden. Ist es Nationalismus? Ist es Gläubigkeit? Kein Deutscher ist Deutscher, weil er (auch) Christ ist. Es gibt nicht diese Einmaligkeit in dem Wissen: ich bin Israeli, weil ich Jude bin. Aber auch Araber, Palästinenser sind Israeli, jedoch keine Juden. Werden von den Juden wohl auch nicht als Israeli anerkannt. Es gibt diese lange Geschichte des Judentums und der Verfolgung des Judentums auf der ganzen Welt. Es gibt noch das Bewusstsein der Juden, dass sie ein auserwähltes, also besonderes Volk seien. Es gibt deren Zusammenhalt, deren Zeichen. Es gibt die Tora, die Gesetzessammlung der Juden, die auch die Sammlung aller Regeln dieser Kultur ist, also weit über die allgemeinen Gesetzesregeln hinausgeht. Die Tora müssen alle Juden kennen. In der Schule wird ebenso viel Religion gelehrt, wie Naturwissenschaften. Orthodoxe Juden besuchen sogar spezielle Tora-Schulen. Geht man über jüdische Friedhöfe (die man leider in Deutschland suchen muss, und die in der Umgebung Göttingens jahrelang durch Frau Dr. Rosenthal- Heginbottom mit Studenten kartographiert wurden), fallen einem die Zeichen auf: so findet man neben den Namen des jeweiligen Toten noch Symbole, wie zum Beispiel eine Kanne oder ein paar ausgebreitete Hände. Dieses sind Zeichen der Tradition der Familien. So bedeuten die ausgebreiteten Hände, dass die Familien von Priestern abstammen und teilweise Priester wurden; die Namen dazu sind z. B.: Kohn, Cohen oder Kohan. Die Kanne ist ein Symbol für die Tradition der Leviten; ein Bürgermeister von Göttingen heißt Dr. Arthur Levi, was seine jüdische Abstammung belegt. Je länger wir redeten, umso undurchsichtiger wurde unser Unwissen. Jeder Satz Dr. Schallers verwirrte uns mehr, führte zu mehr Fragen.

Leider war in der Schule die Zeit begrenzt. Mit einer Ergänzung unserer Bücherliste und dem Vorsatz, sicher auch mal die Bibel lesen zu wollen, verabschiedeten wir uns von Dr. Schaller. Mir ging das allerdings alles nicht mehr aus dem Kopf. Es beschäftigte mich, und fing an, mich richtig zu faszinieren. Warum ist die Geschichte dieses Volkes so einmalig? Warum beschäftigt sie mich so stark? Nie hätte mich die Siedlungsgeschichte der Germanen oder hätten mich die Stämme der Wikinger so in ihren Bann ziehen können. Liegt es daran, dass das Christentum die gleichen Wurzeln wie das Judentum hat? Oder einfach daran, dass „unser“ Christ ein orthodoxer Jude war? Vergleicht man die Art der anderen geschichtlichen Überlieferungen anderer Stämme, so fällt die der Israelis (und auch die des jüdischen Glaubens) heraus: Skandinavien kennt die Kalevale und das Traumlied von Olaf Åsterson, Nordeuropa kennt die Edda, (Frankreich Asterix und Obelix), in Griechenland und Italien zählen Götter- und Heldensagen zur Geschichte. In keinem mir bekannten Land führt eine dieser Sagen, Mythen oder Erzählungen zu einer Aussage, nämlich, dass ein bestimmtes Land mit einem bestimmten Namen zu gründen ist. Israels und die jüdische Geschichte bezieht seine Traditionen und Regeln aus nichts geringerem als der Bibel, dem „ältesten Buch der Welt“. Darin wird schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Mensch Jakob bestimmt, dass er und seine Söhne das Land Israel gründen sollen, und das Volk der Israeliten seien. Auch wird in der Bibel – anders als bei den Mythen der anderen Völker – von Anfang an ein sehr bestimmter Gott beschrieben, der mit den Menschen nichts gemein hat; die einzige Verbindung zwischen Gott und der Menschheit ist Befehl und Gehorsam, Vorbestimmung des Schicksals und Fügung, Entschuldigung und Hinnahme und für meine Empfindung zum Teil nicht einsehbare, „unmenschliche“ Prüfungen: warum zum Beispiel nahm Gott das Opfer Kains nicht an und entzweite so die Brüder Kain und Abel? Warum ließ er es dann dazu kommen, dass der eine seinen Bruder tötete? Warum soll der Vater seinen Sohn töten, nur um Gehorsam zu beweisen? Lehrte Gott nicht die Vergebung und die Liebe zum Nächsten? Solche Beispiele ließen sich fortsetzen.

Wie anders lesen sich da die Göttersagen aus Griechenland: lebens- und liebeslustige Götter stiegen auch schon mal vom Olymp herunter, in ein menschliches Bett. Die Geschichte des Staates Israels zu erzählen, ist gleichbedeutend mit dem Zitieren der Bibel.

1. Allgemein
1.1 Altes Testament und Neues Testament
1.2 Eban, Abba: Dies Ist Mein Volk
1.3 Eban, Abba: Mein Land
1.4 Ben Gurion, David: Israel – Der Staatsgründer erinnert sich
1.5 De Vries, Simon Philip: Jüdische Riten Und Symbole
1.6 Meir, Golda: Mein Leben
1.7 Wouk, Hermann: Er Ist Mein Gott
1.8 Ben Chorin, Shalom: Ich Lebe In Jerusalem
1.9 Oz, Amos: Im Lande Israel
1.10 Oz, Amoz: Bericht Zur Lage Des Staates Israel
1.11 Oz, Amoz: Der Perfekte Frieden
1.12 Giordano, Ralph: Israel, Um Himmels Willen, Israel
1.13 Grossman, David: Der Geteilte Israeli
1.14 Dumont – Israel
2. Geschichte
2.1 Sykes, Christopher: Kreuzwege nach Israel
2.2 Wurmbrand, Max & Roth, Cecil: Das Volk Der Juden
2.3 Keller, Werner: Und Wurden Zerstreut Unter Alle Völker
2.4 Flavius Josephus: Der Jüdische Krieg
3. Bildbände
3.1 Merian Israel und Merian Jerusalem
3.2 Yadin, Yiga’el: Massada
3.3 Yadin, Yiga’el: Hazor
3.4 Goldman, Eva u. Zeev & Wimmer, Hed: Israel

 

Schule, Proben, Briefe schreiben. In diesen Wochen bettelten wir bei:

  1. Herrn Direktor Piech, Volkswagenwerk Wolfsburg
  2. Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit
  3. Deutscher Koordinierungsrat für christlich-jüdische Zusammenarbeit

Und wir knüpften Kontakte zu:

  1. The Public Council of Youth Exchange-Tel Aviv
  2. Botschaft des Staates Israel
  3. Ruthenberg Istitut for Youth Education
  4. Erneut der Freien Waldorfschule Harduf
  5. Leo Baeck Erziehungszentrum Haifa

An Antworten gingen ein:

  1. Schule Harduf
  2. Leo Baeck ErziehungszentrumRutenberg Institute 1
  3. Rutenberg Institute 2
  4. Department of Youth & Social Activities

Im Januar 1996 besuchte der Präsident des Staates Israel, Herr Ezer Weizmann, die Bundesrepublik Deutschland- 50 Jahre nach Kriegsende und 30 Jahre nach Aufnahme der diplomatischen Beziehungen mit dem Staat Israel. Er hält am 16. Januar eine Rede vor dem Deutschen Bundestag und dem Bundesrat im Plenarsaal des Deutschen Bundestages. Wir hatten uns die Rede schicken lassen, um sie zu lesen. Paukenschläge drangen in unseren Alltag: in Israel haben Selbstmordattentäter zugeschlagen. Wir zerredeten unsere Unruhe.

Vortrag von Ibrahim Habib am 13.02.1996 vor unserer Klasse

Ibrahim Habib war schon da, als ich in die Klasse kam. Als sich dann alle gesetzt und beruhigt hatten, stellte er sich als Ibrahim Habib vor (Habib mit einem Laut, den die Europäer nicht benutzen, ähnlich dem „ch“) und stellte uns die Frage, was er denn hier nun solle. Darüber hatte sich wohl noch niemand Gedanken gemacht, denn das folgende Schweigen sprach Bände. Er war doch Palästinenser, oder? Sein Volk kämpfte doch seit einiger Zeit gegen die israelische Regierung, in blutigen Straßenschlachten, oder? Warum fragt er jetzt, was er hier solle? Nun, nach einiger Zeit raffte ich mich dann auf, und stellte die für mich logischste Frage: ob er uns nicht mal erklären könne, was da genau zwischen den Israelis und den Palästinensern vor sich ginge. Wir hätten immer nur so durch die Medien mitgekriegt, dass die „unschuldigen, unterdrückten“ Palästinenser gegen das „böse“ israelische Militär kämpften. Hier musste Ibrahim das erste Mal schmunzeln. Ihm käme es zwar immer vor, als wenn die Palästinenser die Bösen sein, aber das nur am Rande. Und dann fing er an, uns über die eigentlichen Grundlagen des langen Konflikts der Palästinenser mit den Israelis aufzuklären. Ich muss sagen, ich war erstaunt, wie wenig wir doch über diesen Konflikt wussten. Ich wusste, das die beiden Parteien sich bis aufs Blut bekämpften, aber dass das schon 1948 angefangen hat, mit der Gründung des Staates Israels, wusste ich nicht. Er war ein sehr impulsiver Mensch, der uns alles an meist sehr drastischen Beispielen vermittelte. So erzählte er von einigen Beispielen von Dörfern, die einst rein palästinensisch waren, dann aber durch die Vertreibung durch das israelische Militär völlig „palästinenserfrei“ hinterlassen wurden. Ibrahim hat mir einen Aufsatz zukommen lassen, in dem es wie folgt beschrieben wird:

Unter dem Vorsitz von David Ben Gurion proklamiert der jüdische Nationalrat am 14. Mai 1948 den Staat Israel. Zu diesem Zeitpunkt hatten die meisten aus der gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und intellektuellen Elite der palästinensischen Gemeinschaft schon das Land verlassen, sei es, weil sie vertrieben wurden, oder aus Angst flohen. Ein entscheidender Auslöser für die Massenemigration war das Massaker von Deir Jassin, einem kleinen arabischen Dorf. Verbände der Irgun (geheime jüdische Militärorganisation) töteten die gesamte Dorfbevölkerung. Die Nachricht über dieses Massaker versetzte viele Palästinenser in solche Panik, dass sie in die Nachbarländer flohen, um solchen Greueltaten zu  entgehen. Damit die palästinensischen Flüchtlinge nicht in ihre Dörfer zurückkehren konnten, wurden solche Dörfer, die nicht benötigt wurden, zerstört: von mehr als 550 arabischen Dörfern im neuen Staat Israel blieben nur 121 übrig, der Rest wurde vollständig niedergewalzt. In verschiedenen Dörfern und Städten wurden neue jüdische Einwanderer in arabischen Häusern untergebracht. 350 von 370 Siedlungen, die nach der Unabhängigkeit von Israel entstanden, wurden wurden auf dem Boden „abwesender“ Araber errichtet. „Im Jahre 1954 wohnte mehr als ein Drittel der jüdischen Bevölkerung Israels auf verlassenem Grund und Boden, und fast ein Drittel der neuen Einwandrer (250.000 Menschen) siedelten in den städtischen Gebieten, die von den Arabern verlassen worden waren.“

Er hatte eine sehr lustige Art zu erzählen, durchtränkt mit makaberer Ironie. Vielleicht stimmte nicht alles, was er gesagt hat, aber ich glaube, das spielte keine Rolle. Denn was deutlich wurde, war seine Verbitterung darüber, dass die Palästinenser einfach aus ihrem Land vertrieben wurden, damit die Juden ihren Staat kriegten. Ibrahim klagte dafür hauptsächlich die englische Regierung an, die den Juden den eigenen Staat versprochen hatte, um Vorteile in einem Krieg zu bekommen. Dass dafür ein anderes Volk sein Land verlassen musste, wurde wohl übersehen. Uns wurde klar, dass die Israelis nicht nur das gedemütigte Volk waren, die voll Dankbarkeit ihr Gebiet erhielten, sondern auch, dass sie ein Volk waren, das sein Land für sich haben wollte, koste es was es wolle. Es kostete nicht nur vielen Palästinensern das Leben, sondern auch allen Palästinensern das Land. Das vor allem war die doch sehr bedrückende Message, die bei uns ankam. Wir wurden uns im Nachhinein darüber klar, dass es sehr gut war, dass wir auch einmal die andere Seite der Gegebenheiten gesehen haben, besonders, als wir von einer Person, die ich hier nicht nennen möchte, immer wieder zu hören bekamen, dass die Araber und Palästinenser doch die „niedrigeren“, mithin untergeordneten Volksschichten in Israel seien.
Der Aufsatz von Ibrahim Habib ist im Anhang zu finden, da ich denke, dass er auch einen wichtigen Teil da-
zu beiträgt, um das Land Israel und die Mentalität seiner Bewohner verstehen zu lernen. Denn mit dem Wissen über diese Vorgeschichte, gehe ich auch ganz anders mit der Frage der palästinensischen Autonomiegebieten und der Tatsache um, dass Israel diese Gebiete immer wieder schikaniert, indem es die Gebiete abriegelt und, wie am 26.05.1996, sogar die Lebensmittelzufuhr in die Westbank, den Gazastreifen und all die anderen palästinensischen Gebiete unterbindet. Gleiches geschieht immer wieder bis zum heutigen Tag und wird als Mittel der Unterdrückung und Abhängigmachung eingesetzt.

Die Geschichte des heiligen Landes – Friedrich Haase

Vorgeschichte

Die Vorgeschichte Israels erstreckt sich über das Altpaläolithikum (300.000 bis 70.000 v. Chr.), das Jungpaläolithikum (70.000 bis 14.000 v.Chr), das Mesolithikum (14.000 bis 8.000 v. Chr.), das Neolithikum (8.000 bis 4.000 v. Chr.) und das Cholkolithikum (4.000 bis 3.100 v. Chr.). In dieser Zeit fand eine Klimaveränderung statt, die bewirkte, dass die Nomaden (Jäger und Sammler) zur Sesshaftigkeit (Agrarwirtschaft) übergingen und sich dadurch kulturelle Ansätze bildeten. Es wurden Werkzeuge gebaut und Religionen entwickelten sich. Dieser Zeit folgte die sogenannte „kanaanitische Zeit“ (Kanaan = altes, frühes Israel) die sich über die frühe (3.100 bis 2.100 v. Chr.), mittlere (2.100 bis 1.600 v. Chr.) und späte Bronzezeit (1.600 bis 1.200 v. Chr.) erstreckte. Diese Zeit war dadurch geprägt, dass sich Menschen in größer werdenden Siedlungen zusammenschlossen, Städte und Reiche gründeten und Kriege führten. In dieser Zeit bildeten sich Stadtstaaten, die sich zusammenschlossen und in Not halfen. Akkader zerstörten in der frühen Bronzezeit Kanaan. Unter der Hyhros-Herrschaft blüht das Land während der mittleren Bronzezeit auf. In der späten Bronzezeit eroberten die Ägypter Kanaan, konnten es aber nicht halten.

Das Alte Israel

Seit 1.400 v. Chr. strömten israelische Nomadenstämme nach Kanaan und gewannen mit der Zeit an Einfluss. Ramses II zwang die in Ägypten lebenden Israeliten zu Frondiensten. Dies war Anlass zur Auswanderung  einiger Stämme. (Nach der Bibel entkamen Israeliten unter Moses auf Geheimpfaden, besiegten unter ihrem Feldherr Josua die Amalehiter. Am Berg Korel verkündete Moses die 10 Gebote. Sie eroberten die Stadtstaaten Kanaans.) Die 12 halbnomadischen Stämme Israels (Simeon, Juda, Benjamin, Efraim, Gad, Manasse, Machir, Issacker, Sebulon, Naftali, Ascher, Dan) verehrten alle den Gott Johwe. Der Stämmebund nannte sich Israel (3 ). Die oberste Leitung hatte ein Richter (Vorläufer zum König). Damit hatte die Zeit der Richter begonnen (1.200 bis 1.025 v. Chr.). Die Philister siedelten sich in der Nähe von Kanaan an. Es entstanden Konflikte und daraus resultierten Kriege, die die Philister gewannen.
Der Prophet Samuel ernannte den Hirten Saul zum Volksführer. Saul sammelte alle kriegsfähigen Männer der 12 Völker unter sich und besiegte anfänglich die Philister. Mit ihm begann die Zeit der Könige (1.025 bis 587 v. Chr.). Saul wurde von Samuel die Königswürde entzogen und viele Truppen verließen ihn. Er verlor und stürzte sich nach seiner Niederlage in sein Schwert. Nach seinem Tod wurde sein Sohn und sein früherer Waffenträger, der Judäer David aus Bethlehem über jeweils sechs Stämme zum König ernannt. Sauls Sohn wurde ermordet, und David wurde zum „König von Israel “ ernannt. David erweiterte sein Reich, sicherte es nach außen und innen und bestimmte auf Anraten seines Hofpropheten Natan seinen Sohn Salomo noch zu Lebzeiten zu seinem Nachfolger. Er war ein weiser Herrscher. Sein größter Verdienst war die Bautätigkeit und die Organisation der Wirtschaft, die das Land gedeihen ließ. Nach Salomons Tod 930 v. Chr. fand eine neue Teilung statt. Es zerfiel daraufhin wieder und verlor seine eroberten Randgebiete. Für den Nordstaat Israel unter Jeroban folgten etwa 200 Jahre, geprägt von 15 Königen, wovon sieben ermordet wurden. Ständige Kriege zerrütteten das Land derart, dass es sich schließlich auflöste. Dem Judastaaten unter dem zweiten Sohn Salomons erging es ähnlich. In 343 Jahren sah Juda 19 regierende Herrscher, darunter eine Frau. Es war lange Zeit ein tributpflichtiger Vasallenstaat, deren Rebellionen gegen die Fremdherrschaft nur teilweise glühten.

Die Persische Herrschaft

Sie begann 562 v. Chr., als die Perser das Land erobert hatten. Sie beließen den Besiegten ihre Kultur, Sprache, Religion und ordneten sogar den Wiederaufbau von heiligen Stätten und Heiligtümern auf Staatskosten an.

Die Hellenistische Zeit

Alexander der Große zog 333 v. Chr. nach Osten und besiegte die Perser. Nach seinem Tod wurde das Land unter seinen Feldherren aufgeteilt. Ptolmäer und Seelenhiden stritten sich 150 Jahre um das Reich.

Die Römerherrschaft

Die Römer kamen dazu, als zwei streitende Brüder das Land beherrschten. Sie machten sich den Streit zunutze und eroberten unter Pompejus 63 v. Chr. das Land, um es für die nächsten 397 Jahre durch eingesetzte Herrscher in Besitz zu halten. Während dieser langen Periode fanden zwei jüdische Kriege gegen die Römer statt, die beide blutig niedergeschlagen wurden. Um das Jahr Null herum wurde unter dem Prohuraten von Judäa namens Pontius Pilatus Jesus Christus gekreuzigt. Die auf die römische folgende byzantinische Herrschaft ging von 34 bis 639 n. Chr. Unter ihr fand ein Aufblühen des christlichen Glaubens und der Bau von herrlichen Kirchen statt. Zwischen 638 und 639 eroberten die Araber mit der Fahne Mohammeds Palästina. Die Dynastien der Omajjaden, Abbasiden der Fatimiden folgten. Unter der Herrschaft Kalif Hakims wurden Christen gezwungen, Moslems zu werden. Er veranlasste auch, dass die Kirchen zerstört und Moscheen darauf errichtet wurden (996 bis 1021 n. Chr.). 1071 nahm ein türkischer Fürst Palästina ein und wurde 1079 vom Seldschukenfürst Tutusch ermordet, welcher wiederum 1095 starb. Darauf bekämpfte jeder jeden und das heilige Land war für niemanden mehr sicher. Diese Nachricht gelangte nach Europa.
Am 27. November 1095 rief Papst Urban jeden Christen zur Befreiung des heiligen Landes auf. Damit hatte die Zeit der Kreuzzüge begonnen. Doch die bunt zusammengewürfelten Heere führten nur dazu, dass die zerstrittenen arabischen Länder sich einigten, gemeinsam gegen die Europäer vorzugehen. Drei Kreuzzüge fanden insgesamt statt. Doch konnten sich die Fremden im Endeffekt nicht halten und wurden zwischen 1243 und 1292 für immer aus all ihren eroberten, verlorenen und zurückeroberten Ländereien von den Moslems und dann unter dem Mamelukenführer Baibars vertrieben. 1516 eroberte der türkische Sultan (1512 bis 1520) Palästina und schlug die Mameluken ein für allemal. Die Türken beherrschten das Land bis 1917 n. Chr.

Geschichte Israels 1882 bis 1992 – Anna Raith

Seit dem 16. Jh. wurde das Leben der Juden in Palästina hauptsächlich durch Geldspenden aus dem Ausland ermöglicht. Edmund Rothschild soll so insgesamt ca. 70 Mio. Dollar gespendet haben. Um das Jahr 1880 lebten in Palästina etwa 30.000 Juden unter 1 Mio. Arabern. Diese Juden setzten sich aus drei Gruppen zusammen, die nach ihrer Herkunft unterschieden wurden:

  1. Orientalische Juden – Diese hatten Vorfahren aus arabischen Ländern, waren aber schon immer in Palästina ansässig. Ihre Sprache war Arabisch.
  2. Sfardische Juden – Diese Juden kamen aus Spanien oder Westeuropa und sprachen spanisch.
  3. Aschkenasische Juden waren schließlich die Juden aus Deutschland oder Osteuropa. Ihre Sprache war das jiddische.

Im Jahre 1882 kam es zur ersten Alija. Sie wurden durch die Pogrome in Russland ausgelöst. Die Problematik der Menschenmassen wurden durch Faktoren wie Malaria, die schlechten Lebensbedingungen und Überfälle durch Beduinen noch verstärkt. Dazu kamen ein Einwanderungsverbot durch die Türkei, das Verbot des Landkaufs durch Juden und die allgemein hohen Preise. Dies alles führte zu einem Konflikt zwischen den Bilujim (jüd. Arbeiterpioniere) und den Chowewe Zion (den Liebhabern Zions). Achad ha’Am ruft zu dieser Zeit mit der „Lehre vom Zentrum“ dazu auf, ein jüdisches geistiges Zentrum in Palästina im Geiste vorzubereiten. Er widerspricht damit den Gedanken von Theodor Herzl, der mit seinem Werk „Der Judenstaat“ die Problematik der Juden in Israel der Weltöffentlichkeit vor Augen führt.
Im Jahre 1897 findet in Basel der erste Zionistische Weltkongress statt, in dessen Verlauf die „Zionistische Organisation“ gegründet wird. Herzl wird zum Präsidenten gewählt. Am ersten Kongress nahmen 200 von den jüdischen Gemeinden der jeweiligen Staaten gewählte Abgeordnete teil. Dieser Akt führt zu einer Begeisterungswelle, der erstmals aus allen Schichten des Judentums kommt. Das Ziel des Kongresses, Unterstützung für das jüdische Siedlungswerk in Palästina zu finden, versucht Herzl an die Großmächte heranzutragen. Deutschland, Russland, Italien und die Türkei lehnen Hilfe ab. England bietet Teile Ägyptens oder Ugandas an. Beide Angebote scheitern, da in Ägypten die Wasserversorgung nicht sichergestellt werden kann und die Chowewe Zion eine Umsiedlung nach Uganda ablehnt. Durch die Fehlschläge macht sich unter den Juden eine zunehmende Opposition Luft, die sich aus den Kulturzionisten (die sich unter anderem für die Wiederbelebung der hebräischen Sprache einsetzen), den Poale Zions (den Arbeitern Zions) und den Orthodoxen, oder Misrachi zusammensetzt.
Von 1902 bis 1906 findet die zweite Alija aufgrund russischer Progromme statt. Dies führt zu Konflikten zwischen Juden und Arabern einerseits und alten jüdischen Siedlern und jungen jüdischen Arbeitern andererseits. Die aus Russland vertriebenen Juden folgen dem sozialistischen Motto „Eroberung durch Arbeit“ und stellen nun eine Konkurrenz für die Araber dar. Aus diesem sozialistischen Grundgedanken entstehen jüdische Genossenschaftssiedlungen, die sich hauptsächlich mit der Landwirtschaft beschäftigen: der erste Kibbuz wird gegründet. Im Juli 1904 stirbt Herzl, das „Urbild des neuen Juden, der sich seines Jüdischseins nicht mehr schämt“ und zwischen 1907 und 1908 tagt wieder ein Kongress der „Zionistischen Organisation“, der den Staat Israel auf Palästinensischem Boden beschließt. Während der Revolution 1908 in der Türkei kommt es zur Unterdrückung nationaler Minderheiten.
1909 wird schließlich die moderne jüdische Stadt Tel Aviv von privaten Kreisen gegründet. Hebräisch setzt sich, dank jüdischer Autoren und jüdischen Schulen wieder als Sprache durch. Während des Ersten Weltkrieges wird die Leitung der „zionistischen Organisation“ von Köln nach Den Haag verlegt, um neutral zu bleiben. In Russland kommt es zur Oktoberrevolution der Bolschewisten: der Zionismus wird verboten. Durch die entstandene Diktatur, auch in der Ukraine, werden 150.000 Juden ermordet. In den USA erlebt die zionistische Bewegung einen Aufschwung. In Palästina verschlechtert sich die Lage der Juden durch die Schreckensherrschaft Djemal Pascha’s aus der Türkei. Er will jüdische Siedlungswerk zugrunde richten. Währenddessen streiten sich England und Frankreich um die Türkei: das Sykes-Picot-Abkommen sieht ein „Großarabisches Reich mit französischem und englischem Einflussgebiet“ vor. Um dieses Ziel zu erreichen, will England die Araber für Krieg gegen Türkei gewinnen und macht ungenaue Versprechungen für einer Regentschaft über ein großarabisches Reich. In dieser Zeit verhandelt Haim Weizmann, Vertreter der Zionisten, mit England. Diese Verhandlungen werden mit dem prozionistischen, englischen Außenminister Lord Balfour 1916 geführt. Darüber hinaus gibt es eine französische und italienische Sympathieerklärung für den Zionismus. Die Verhandlungen mit England enden 1917 in der Balfour-Erklärung (Magna Charta für jüd. Volk) und dem Einzug Englands in Jerusalem. Auf der Freidenskonferenz 1919 in Paris wird das Mandat Englands in Palästina beschlossen. Dies führte aber zu Problemen, da die meisten englischen Kolonialbeamten antisemitisch eingestellt waren und die Zustände der jüdischen Siedler im allgemeinen
schlecht waren. Trotzdem wird die arabisch-jüdische Problematik erstmals publik:

Für ein Volk ohne Land ein Land ohne Volk

trifft im zweiten Teil nicht zu.
Der Präsident der „zionistischen Organisation“ Weizmann sucht einen friedlichen Ausgleich:

  • 1918 – Treffen mit dem Führer der Araber, Feisal verläuft positiv
  • 1920 – Feisal wird von den Franzosen vertrieben
  • 1921 – Unruhen in Jerusalem: unter Ein El Husseini marschieren die Araber gegen die jüdischen Siedler; es sterben 50 Juden.

Durch die 3. Alija, die Chaluzim7 bekommt die Arbeiterschaft in Palästina einen Aufschwung. 1922 ist die Belfour-Erklärung voll im Mandat Englands aufgegangen, die offiziellen Sprachen werden Englisch, Hebräisch und Arabisch. Transjordanien trennt sich von Palästina ab. Wegen der Wirtschaftskrise 1924 in Polen kommt es zur 4. Alija und damit zu erneuten Flüchtlingsströmen. 1929 kommt es dann zu einem arabischer Aufstand. Grund ist die Bildung der Jewish Agency. Es sterben 150 Juden. Damit vertieft sich wieder der Graben zwischen Juden und Arabern und das hat Konsequenzen:

  • neue, reinjüdische Städte/Siedlungen entstehen
  • die Bereitschaft zu gegenseitigem Verständnis verringert sich
  • auf beiden Seiten entsteht einer immer größer werdender Nationalismus
  • England steht zwischen den Fronten, tendiert aber zur arabischen Seite

Der israelisch-arabische Konflikt – Johanna Radhgens

Schon seit dem Altertum war das „Heilige Land“ ein Durchzugsland für viele Heerzüge. So wurde es 63 v.Chr. von den Römern besetzt und nach 70 n. Chr. als „Palästina“ eine Provinz des römischen Reiches. In diesem Zusammenhang wurde der Tempel der Juden zerstört, was zur Folge hatte, dass die jüdische Bevölkerung in die ganze Welt verstreut wurde, und so die Epoche der jüdischen Diaspora begann.

Um 663 n. Chr. fielen muslimische Araber in das Land am Jordan ein und im Hochmittelalter galt es als Anziehungspunkt der christlichen Kreuzfahrer. Von 1517 bis 1917 wurde der Landstrich „Palästina“ schließlich ein Teil des osmanischen Reiches. Jedoch bereits zur Wende vom 19. zum 20. Jh. kam es im Nahen Osten zur ersten Artikulation arabischen Nationalismus, der in den Folgejahren mit sich ebenfalls um die Jahrhundertwende bildenden jüdischen Nationalismus (Zionismus) in immer schärferen Konflikt geriet. Unter Druck der türkischen Besatzung auf die arabische Zivilbevölkerung erhielt der arabische Nationalismus während des 1. Weltkrieges seine größte Ausbreitung. Dies war der Grund für die Beteiligung der arabischen Hedschas-Stämme unter Führung des britischen Oberst Thomas E. Lawrence8 am Kampf der Briten gegen die türkische Provinzialherrschaft (1916). Denn zuvor hatte der Hochkommissar Großbritanniens in Ägypten (Mac Mahon) dem Großscherif Hussein von Mekka 1915 brieflich zugesichert, er könne nach einer Niederlage der Türken ein unabhängiges, großarabisches Reich unter Einschluss Palästinas errichten. Doch die Hoffnung der Araber auf Unabhängigkeit und politische Selbstbestimmung mit Zusammenbruch des türkischen Reiches wurde durch die Politik der Großmächte Englands und Frankreichs zerstört. Diese errichteten nämlich zwischen den beiden Weltkriegen eine neue Fremdherrschaft und unterdrückten somit die Einheitserwartung der arabischen Völker. Grundlage dieser Politik war das geheime, zwischen Großbritannien und Frankreich 1960 abgeschlossene Sykes-Picert-Abkommen. In diesem Abkommen teilen sich England und Frankreich ihre nahöstlichen Interessenzonen und Einflusssphären auf.

Palästina erhielt zwar einen internationalen Status, stand jedoch unter Kontrolle Englands und Frankreichs durch deren Betreiben einer Politik auf Wahrung eigener Interessen. Somit geben beide europäischen Großmächte dem aufkeimenden arabischen Nationalismus und Emanzipationsbestrebungen neue Nahrung. Im Zentrum dieser Entwicklung stand England, das Palästina (das „sensitivste“ Gebiet) als Mandatsmacht von 1920 bis 1948 unter seiner Verwaltung hatte. Parallel zu dieser Entwicklung auf arabischer Seite war seit der Jahrhundertwende die zweite Komponente des Konfliktes angefacht worden. Denn Pogrome und anwachsender Antisemitismus in Europa ließen jüdische Einwanderung nach Palästina beträchtlich ansteigen. Ideologisch wurde diese Einwanderung durch die Idee des Zionismus und der Forderung nach einem Judenstaat auf dem Boden ihrer einstigen Väter, von dem jüdischen Arzt und Journalist Theodor Herzl gestützt. Auch politisch wurde ein neuer Sprengstoff in die sowieso schwierige Lage durch die Belfour-Erklärung hinzugefügt. Diese Erklärung vom 02.11.1917 enthielt das Versprechen an die Juden, der Errichtung einer nationalen Heimstatt in Palästina, welche die jüdische Einwanderung nach dem 1. Weltkrieg noch verstärkte. Diese Bewegung des politischen Zionismus, auf Errichtung und Absicherung einer jüdisch-nationalen Heimstatt und das gleichzeitig politische Erwachen der Araber (Befreiung von fremder Vormundschaft) ist der Kern des immer noch existierenden israelisch-arabisch/palästinensischen Konflikts. Verschärft wurde die Entwicklung von der doppelzüngigen Politik, die die Engländer betrieben. Denn um Kräfte im 1. Weltkrieg zu mobilisieren, machten sie sowohl den Arabern, wie Juden Zusicherungen auf Palästina.

Während den Jahren des politischen Mandats kam es immer wieder zu Spannungen, denn beide Konfliktparteien beanspruchten das Land. So kam es schließlich 1929 zum Massaker der arabischen Bevölkerung an den Juden in Hebron und 1936 bis 1939 zum Großen Arabischen Aufstand des Großmuftis von Jerusalem gegen die Juden und die Schutzmacht Großbritanniens. Er wurde jedoch von den britischen Truppen niedergeschlagen.

Am Vorabend des 2. Weltkriegs (1939) änderte England seine damals projüdische Politik aus strategisch taktischen Gründen zur proarabischen Orientierung. Das „Weißbuch“ (1939) ist ein sichtbarer Ausdruck Englands Politik, welches die Einwanderung der Juden nach Palästina zahlenmäßig und zeitlich begrenzt. Doch Judenverfolgung und Holocaust trieben immer größere Strömungen von Flüchtlingen in den Nahen Osten, zum letzten Zufluchtsort. Die Briten versuchten mit oft brutalen Mitteln, diese jüdische Immigration zu verhindern, um die arabische Welt politisch für sich einzunehmen.

Parallel zum 2. Weltkrieg hatte sich zusätzlich ein erbitterter Kampf zwischen den Einwanderern und Arabern entwickelt, da erstere zu immer mehr Grundbesitz gelangten und die Araber daraufhin um ihre Vorrechte bangten. Schließlich gab England am Ende des 2. Weltkrieges das Palästinamandat an die UNO zurück. 1947 beschlossen die Vereinten Nationen Palästina in einen jüdischen und einen arabisch/palästinensischen Staat zu teilen. Die Araber lehnten diese Angebot ab, während die Juden zusicherten, und am 14.05.1948 Palästina zum Staat Israel proklamierten. Am Tag darauf geriet der bisher im Untergrund geführte Krieg in offene Auseinandersetzungen. Der erste israelisch-arabische Krieg begann. Im Verlauf dieses Krieges festigte der junge Staat seine Position gegen die zahlenmäßig überlegenen arabischen Gegner. Seither lebt Israel im Kriegszustand und die „Palästinenserfrage“ existiert.

Zwischen den Kriegen kam es jedoch immer wieder zu Waffenstillständen/-ruhen. Der Waffenstillstand von 1949 hatte für Israel jedoch sehr ungünstige Grenzen zur Folge, da Jerusalem geteilt und Tel Aviv nur 18 Kilometer vom ersten jordanischen Militärposten entfernt lag. Der Sechstagekrieg von 1967 schlug schließlich eine entscheidende Zäsur in die geopolitische Landschaft Israels. Denn Israel besetzte u.a. die syrischen Golanhöhen, das Westjordanland, die Altstadt von Jerusalem, die Sinai-Halbinsel und den Gazastreifen. Hunderttausende von Palästinensern kamen dadurch unter israelische Besatzung. Das Palästinenserproblem, wie es uns heute begegnet, war entstanden, da bis 1967 die arabischen Staaten die nationale und politische Identität der Palästinenser verdrängt hatten.

Der Yom-Kippur-Krieg von 1972 lässt Israel dann an den Grenzen seiner militärischen Macht stehen. Jedoch durch Anfangserfolge der Palästinenser öffnen sich die Türen zu Gesprächen. 1979 mündete diese Entwicklung letztendlich in einem Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten. Jedoch hält der Frieden in Israel nicht lange an, denn 1982 griff Israel den Libanon an, was den militärischen und terroristischen Infrastrukturen der Palästinensichen Befreiungsorganisation (PLO) galt. Die PLO hatte im Libanon einen Staat im Staat gegründet und führte von da aus Kommandos gegen Israels Nordgrenze. Drei Jahre lang blieb Israels Armee im Libanon und zerschlug das Potential der PLO. Jedoch geschah es zum ersten Mal in der Geschichte der Nahostkriege, dass die israelischen Streitkräfte keinen Beifall der Zivilbevölkerung bekamen, sondern offene Ablehnung. Die PLO, schon 1964 in Kairo auf Initiative der Arabischen Liga gegründet, arbeitete sich zur militanten Kraft der Palästinenser hoch. Seit 1968/69 beinhaltet Yasoir Arafat und seine Fatahorganisation die Schlüsselposition der PLO. In den Gründungsjahren und vor allem nach der Niederlage im Sechstagekrieg setzte sich die PLO das Ziel, im bewaffneten Guerillakrieg zur Befreiung der besetzten  Gebiete gegen Israel vorzugehen. Dieses Konzept scheiterte jedoch schnell an der Antiguerilla-Strategie und -Taktik der israelischen Armee. Um nicht in Vergessenheit zu geraten, ging die PLO von 1968 im Nahen Osten und vielen anderen Ländern mit blutigem Terror, wie Flugzeugentführungen und Gewalt, gegen unschuldige Zivilisten vor. Das führte in Israel bei allen politischen Parteien dazu, dass die PLO bei allen politischen Verhandlungen für ein Lösungskonzept abgelehnt wurde. Seit 1974 forderte die PLO einen unabhängigen Staat „Palästina“ im Westjordanland und Gazastreifen, was zusätzlich kritische Reaktionen hervorrief, da es noch nie einen Staat Palästina gab.

Außer den terroristischen Aktionen der PLO wurde eine mögliche Flexibilität der israelischen Politiker zusätzlich durch Verfechter eines Großisraels, vom Jordan bis zum Mittelmeer, eingeengt. Doch durch den Aufstand der Palästinenser „Intifada“ 1987 im Westjordanland und dem Gazastreifen kam erneut Bewegung in die erstarrte politische Szene (Intifada, arab: „Abschütteln“ [Joch der israelischen Besatzung]).
Die einen Israelis lehnen daraufhin weiterhin jeden Kompromiss ab, während andere bereit sind, Land für Frieden abzugeben. Doch bereits 1988 sind erste Signale für eine Entschärfung zu sehen. Denn die PLO erkannte in diesem Jahr die UNO-Resolutionen, welche das Existenzrecht Israels in gesicherten Grenzen enthält, offiziell an, was für die USA eine unabdingbare Voraussetzung für einen Dialog mit der PLO bedeutete. Außerdem erkannte Arafat auf einer Pressekonferenz in Genf den Staat Israel an und erklärte, auf Terrorismus zu verzichten. Doch durch weitere Terroranschläge lehnte Israel die Aussagen Arafats ab.
Aber die Friedensverhandlungen und Gespräche gingen und gehen weiter und heute ist man wohl so weit zu hoffen, es könnte Frieden in dem vom Krieg zerschlagenen Land und Frieden zwischen den vielen verschiedenen kulturellen und religiösen Menschen einkehren.

Die Gründung des Staates Israels – Judith Rosenberg

1921 wollen die Briten die Einwanderungen der Juden nach Palästina stoppen. 1922 wird die jüdische Einwanderung durch das Churchill-Weißbuch-Abkommen eingeschränkt und die Zahl der Einwanderer ging zurück, die Lage entspannte sich. Durch das Hitler Regime erreicht 1935 jedoch die Einwanderungen wieder Höchstzahlen. 1936 führt dies zu Unruhen der Araber, mit mehreren Toten auf jüdischer Seite. Schon 1920 entstand die Haganah (hebr. Verteidigung), da die Juden nicht von den Engländern beschützt wurden. Die Haganah wurde wichtig, da ohne ihre Hilfe keine Einwanderung möglich war. 1936 bis 1939 wurden von ihr über Nacht ganze Siedlungen geschaffen. Die Araber waren im zweiten Weltkrieg gegen die Alliierten, die Juden meldeten sich bei der Britischen Armee. England war gegen die Aufnahme in die Armee. 1939 ließen die Engländer kaum noch Juden einwandern, was die Situation jedoch nicht änderte, da illegal weiterhin eingewandert wurde. England verbot Juden daraufhin größeren Landbesitz. 1945 waren 6 Mill. Juden getötet worden, das waren 1/3 der Juden weltweit – sie durften immer noch nicht nach Palästina einreisen.
Weizmann, der Führer der Juden, hatte die Hoffnung auf Churchill und Roosevelt gesetzt. Aber Churchill wurde nicht wieder gewählt, Roosevelt starb im Sommer ’45 und im Oktober 1945 wurde Bevin engl. Außenminister.

Trotzdem änderte sich nichts: Bevin ließ 10.000 Juden, welche noch in KZ lebten, nicht nach Palästina einreisen. Zugleich versuchten Britische Geheimdienste illegale Einreise zu stoppen. Vielmehr wollte die Britische Regierung die Juden einer arabischen Regierung unterstellen. Der Jischuw9 kämpfte jedoch für ein eigenes Land. Am 22.06.1945 sprengte der Jischuw das King David Hotel in Jerusalem in die Luft, in welchem die Mandatsregierung ihren Sitz hatte. Daraufhin errichtet die Britische Regierung ein Auffanglager für Juden auf Zypern. Am 02.04.1947 richteten sich die Juden an die Vereinten Nationen mit der Bitte um eine Teilung des Landes, allerdings waren die meisten Länder am Anfang auf arabischer Seite. Als jedoch eine internationale Kommission während der Besichtigung Haifas das Exodus Drama miterlebte, stimmten sie bald für eine Beendigung des britischen Mandats.

Vom 27. bis zum 29.11.1947 fand eine Abstimmung der UN statt, wobei 33 Staaten für eine Teilung, 13 Staaten gegen eine Teilung und 10 Staaten mit Enthaltungen stimmten. Die Araber nahmen diese Entscheidung nicht hin und Kämpfe entbrannten. Durch die schlechte Ausrüstung der Hagana schienen sich diese zu Gunsten der Araber zu entscheiden. Am 01.05.1948 ging das englische Mandat zu Ende und am 14.05.1948 wurde durch Ben Gurion der Israelische Staat ausgerufen. 8 Stunden später marschierten arabische Truppen über die Grenze zu Israel. Graf Bernadotte wollte mit dem Gedanken eines gemeinsamen Staates der Juden und Araber vermitteln, wurde aber von beiden Seiten abgelehnt.

Während des Krieges stellte sich heraus, dass die israelischen Truppen der Arabischen Liga überlegen waren und so eroberten im Dezember 1948 jüdische Truppen Teile Ägyptens, welches unter britischem Mandat stand. Nun stellten die Britischen Vertreter ein Ultimatum und am 13.01.1949 trat Israel in die Friedensverhandlungen mit Ägypten ein.

Der Sechs Tage Krieg – Ellen von Eltz

Im Jahr 1958 bildeten Ägypten und Syrien eine Allianz, während sich Irak und Jordanien ebenfalls verbündeten. Diese Entwicklungen führten zu einer zunehmenden militärischen Aufrüstung in den arabischen Nachbarstaaten Israels, was auch Israel dazu veranlasste, seine Verteidigungskapazitäten auszubauen. Die benötigten Waffen wurden aus Frankreich, England, den USA und der Bundesrepublik Deutschland bezogen. 1967 spitzte sich die Lage zu: Jüdische Siedlungen im Jordantal wurden von syrischen Stellungen auf den Golanhöhen aus beschossen. Israel sah sich gezwungen, zurückzuschlagen und führte militärische Angriffe auf syrisches Gebiet durch. Allerdings erwiesen sich die syrischen Stellungen als schwer zugänglich, sodass Israel schließlich seine Luftwaffe einsetzte. In den Luftkämpfen verlor Syrien mehrere Kampfflugzeuge, die von der Sowjetunion geliefert worden waren. Die UdSSR fühlte sich durch diesen Verlust in ihrer Ehre verletzt und versuchte, Ägypten in den Konflikt hineinzuziehen. Im April 1967 gelang es ihr, Ägypten zur Mobilisierung gegen Israel zu bewegen. Da Ägypten bereits ein Bündnis mit Syrien geschlossen hatte, lehnte es diese Aufforderung nicht ab. Im Mai 1967 eskalierte die Situation weiter: Ägyptische Truppen überquerten den Suezkanal und erklärten am 27. Mai die Blockade des Golfs von Eilat. Diese Maßnahme traf Israel schwer, da der Hafen von Eilat von zentraler wirtschaftlicher Bedeutung war. Währenddessen verstärkten sich die Truppenaufmärsche in der Region: Neben ägyptischen, syrischen und irakischen Truppen kamen auch saudi-arabische, algerische und kuwaitische Einheiten hinzu. Ägyptische Truppen rückten zudem nach Jordanien vor.

In Israel kam es zu einer Regierungsumbildung, bei der ein neuer Verteidigungsminister ernannt wurde. Den Verantwortlichen war klar, dass schnelles Handeln erforderlich war. Am 5. Juni 1967 startete Israel einen überraschenden Luftangriff auf Ägypten und Syrien, bei dem ein Großteil der ägyptischen und syrischen Luftwaffe noch am Boden zerstört wurde. Jordanien erhielt das Angebot, sich aus den Kämpfen herauszuhalten, lehnte dies jedoch ab und griff Israel an. Dabei wurde ein UNO-Hauptquartier im Niemandsland von Jerusalem eingenommen. In den folgenden fünf Tagen eroberte Israel die Westbank Jordaniens und die Sinai-Halbinsel. Die UNO und die Großmächte forderten einen sofortigen Waffenstillstand. Dennoch zog Israel nach der Niederwerfung Ägyptens und Jordaniens weitere Truppen im Norden zusammen und besetzte die Golanhöhen, von denen es zuvor beschossen worden war. Erst danach trat ein Waffenstillstand in Kraft. Der Ausgang des Krieges versetzte Israel in einen regelrechten Siegestaumel: Die eroberten Gebiete waren dreimal so groß wie das ursprüngliche Staatsgebiet des Landes. Besonders die Rückeroberung Jerusalems und der Zugang zur Klagemauer wurden von vielen als historische Errungenschaft betrachtet. Die Euphorie erfasste auch die jüdische Diaspora. Tausende Freiwillige strömten ins Land, neue Einwanderer kamen hinzu, und es wurden Millionen Dollar an Spenden gesammelt. Ägypten reagierte mit einem erneuten militärischen Angriff: Am 6. Oktober 1973, dem jüdischen Feiertag Yom Kippur, überschritten ägyptische Truppen den Suezkanal, während syrische Kräfte vorübergehend die Golanhöhen zurückeroberten. Trotz des Überraschungsmoments gelang es Israel, verlorene Gebiete zurückzuerobern. Im Jahr 1974 wurde ein Abkommen geschlossen, das den Rückzug Israels vom Suezkanal unter UNO-Aufsicht vorsah. Der Suezkanal selbst wurde schließlich unter die Kontrolle von Blauhelm-Truppen gestellt, um eine weitere Eskalation zu verhindern.

Israel-Deutschland nach 1945 – Martina Krätsch

In den Jahren nach dem Krieg bis etwa 1953/55 war die Wiedergutmachung ein heiß diskutiertes Thema. Bundeskanzler Konrad Adenauer bekannte sich am 21. September 1951 zur deutschen Schuld an den nationalsozialistischen Verbrechen. In den vorangegangenen Verhandlungen hatte er es jedoch abgelehnt, von einer „Kollektivschuld“ zu sprechen. 1952 wurde ein Abkommen unterzeichnet, in dem sich Deutschland dazu verpflichtete, an Israel drei Milliarden D-Mark zu zahlen. In der deutschen Bevölkerung stieß dieses Abkommen auf gemischte Reaktionen: Nur 11 % der Deutschen befürworteten es, 24 % standen ihm neutral gegenüber, während die Mehrheit dagegen war. Auch in Israel gab es Widerstand gegen das Abkommen, insbesondere von Kommunisten, Linkssozialisten und Rechtsnationalisten. Die DDR lehnte jegliche Wiedergutmachung grundsätzlich ab und argumentierte, dass eine solche nur Kapitalisten zugutekommen würde und insbesondere nicht jüdischen Kapitalisten. Israel hatte bis 1955 diplomatische Beziehungen zu Deutschland abgelehnt. Als sich dann Deutschland weigerte, weitere Verhandlungen zu führen, stagnierte die Entwicklung der bilateralen Beziehungen. Erst 1965 wurde eine endgültige Entscheidung getroffen. Deutschland hatte heimlich Waffen an Israel geliefert, was zu einer diplomatischen Krise führte, da Ägypten mit der Anerkennung der DDR drohte. Letztlich beendete Deutschland die Waffenlieferungen, dafür wurden aber offizielle diplomatische Beziehungen mit Israel aufgenommen. Zwischen 1965 und 1973 versuchte Deutschland, die Beziehungen zu Israel in ruhigeres Fahrwasser zu bringen, insbesondere während der Regierungszeit von Willy Brandt und Walter Scheel im Rahmen der Ostpolitik. Israel begrüßte diese Entwicklung. Zwischen 1973 und 1984 entwickelte sich eine demonstrative Normalität in den bilateralen Beziehungen. Am 3. Mai 1981 kam es zu einer Kontroverse, als der israelische Ministerpräsident Menachem Begin das deutsche Volk der Kollektivschuld an den NS-Verbrechen beschuldigte. Diese Äußerung sorgte in der Bundesregierung und der deutschen Öffentlichkeit für Empörung. Die CDU/CSU/FDP-Koalition erwog erneut Waffenexporte nach Israel, musste jedoch zurückstecken. Seit dem Israel-Besuch von Bundeskanzler Helmut Kohl im Januar 1984 wurde die Debatte zunehmend zu einem geschichtspolitischem Thema. Die deutsch-israelischen Beziehungen erlitten erneut einen Rückschlag, als zwischen Dezember 1984 und Mai 1985 Auseinandersetzungen um den Soldatenfriedhof in Bitburg begannen. Der Besuch von US-Präsident Ronald Reagan und Bundeskanzler Helmut Kohl auf diesem Friedhof, auf dem auch Angehörige der Waffen-SS begraben lagen, führte zu internationalen Protesten.

Unterdessen begann die DDR, gegenüber US-jüdischen Gruppen und Israel eine pragmatischere Politik zu signalisieren. Sie erkannte zunehmend eine nationale Verantwortung für den Holocaust an und öffnete sich der Wiedergutmachung. Die deutsche Wiedervereinigung am 9. November 1989 markierte einen Wendepunkt. Die SED/PDS versuchte, die Israel- und Judenpolitik zur eigenen politischen Instrumentalisierung zu nutzen. Die neue DDR, vertreten durch die Volkskammer, bekannte sich durch solche Gesten zu einer Erneuerung auch in diesem Bereich.

Am 24. und 25. Januar 1991 unternahm Außenminister Hans-Dietrich Genscher einen spontanen Besuch nach Israel, bei dem er Deutschlands Solidarität mit der israelischen Bevölkerung bekundete. Ein weiterer wichtiger Meilenstein war die Eröffnung einer offiziellen deutschen Vertretung in Jericho am 8. August 1994. Im Dezember 1994 reiste Bundespräsident Roman Herzog auf seine erste offizielle Auslandsreise nach Israel, wo er die hohe Bedeutung der deutsch-israelischen Beziehungen betonte.

Die israelische Wirtschaft – Niels Bendig und Thorin Geister

Wirtschaftsentwicklung

Die wirtschaftlichen Anfänge Israels reichen bis in die Zeit um 1880 zurück, als das Gebiet unter britischem Mandat stand. In dieser frühen Phase war die Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftssektor, und zwischen 1923 und 1948 wuchs sie um das 25-fache. Mit der Staatsgründung Israels im Jahr 1948 veränderten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend. Die wirtschaftliche Entwicklung wurde durch zwei wesentliche Faktoren beeinflusst: die massive Einwanderung sowie die hohen Verteidigungsausgaben. In den ersten Jahren nach der Staatsgründung wurde ein Notprogramm eingeführt, um die Grundversorgung der Bevölkerung sicherzustellen und eine wirtschaftliche Stabilisierung zu gewährleisten. Die hohen Militärausgaben belasteten den Haushalt erheblich.

Ab 1952/53 begann die israelische Regierung mit gezielten Finanzierungsplänen, um bestimmte Wirtschaftssektoren zu stabilisieren. Diese Maßnahmen waren jedoch stark staatlich reguliert, wodurch der Markt wenig liberal gestaltet wurde. Das Ziel war die Verhinderung von Massenarbeitslosigkeit und eine schrittweise wirtschaftliche Konsolidierung. Die Kriege, insbesondere der Sechstagekrieg von 1967 und der Jom-Kippur-Krieg von 1973, führten zu erheblichen wirtschaftlichen Krisen. Die enormen Militärausgaben belasteten den Staatshaushalt auch langfristig, während gleichzeitig die Ölkrise die Wirtschaft zusätzlich schwächte.

Nach den Wahlen von 1977 wurde ein neuer, liberalerer Wirtschaftskurs eingeschlagen. Die Deregulierung sollte der Wirtschaft mehr Freiheiten geben. Allerdings führte dieser Kurs zu einer unkontrollierten Inflationsspirale: Die steigenden Preise zogen Lohnerhöhungen nach sich, die Staatsausgaben blieben hoch, und ein wirtschaftliches Gleichgewicht konnte nicht erreicht werden. Die Regierung versuchte, die Preissteigerungen durch Steuererleichterungen einzudämmen, doch dies war finanziell nicht tragfähig.
Infolgedessen brach das Bankwesen zusammen, und die Börse erlitt massive Verluste. Um einen vollständigen Wirtschaftskollaps zu verhindern, kaufte der Staat das Bankwesen auf. Im Jahr 1985 wurde ein drastisches Sanierungsprogramm eingeführt, das Währungsreformen, Kürzungen der Subventionen, einen Preisstopp, eine Senkung der Reallöhne und eine Neustrukturierung des Haushalts umfasste. Das Programm zeigte Erfolg: Die Inflationsrate sank erheblich, und Israel entwickelte sich zunehmend zu einer Wohlstandsgesellschaft. Der Konsum stieg, mehr Menschen konnten sich Autos und Auslandsreisen leisten, jedoch vertiefte sich der wirtschaftliche Graben zwischen Wohlhabenden, der Mittelschicht und den ärmeren Bevölkerungsschichten.

Heute sind die wichtigsten Exportzweige Israels:

  • Metalle, Maschinen und elektronische Produkte
  • Leichtindustrie
  • Textilien
  • Nahrungsmittel
  • Mineralien
  • Chemikalien und Kunststoffe

Der internationale Handel Israels wird stark von politischen Faktoren beeinflusst. Die USA sind einer der wichtigsten wirtschaftlichen Partner und unterstützen Israel finanziell. Arabische Staaten und kommunistische Länder hatten lange Zeit Boykottmaßnahmen gegen Israel verhängt, die sich auf verschiedenen Ebenen (primär, sekundär und tertiär) auswirkten. Seit den Friedensgesprächen gab es jedoch eine Lockerung dieser Boykotte, auch unter dem Druck europäischer Staaten und der USA.

Einwanderung

Israel verfolgt eine einzigartige Einwanderungspolitik, die durch das sogenannte „Rückkehrergesetz“ geregelt wird. Dieses Gesetz gewährt allen Juden, die bis zu 2.000 Jahre im Exil gelebt haben, automatisch die israelische Staatsbürgerschaft. Diese Politik hat eine zentrale Rolle bei der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung des Landes gespielt. Die Einwanderung war entscheidend für das rasche Wirtschaftswachstum Israels, da sie eine große Bandbreite an Fachwissen und qualifizierten Arbeitskräften mit sich brachte. Gleichzeitig führte sie jedoch auch zu Herausforderungen, da viele der Neuankömmlinge entweder nicht arbeitsfähig waren oder überqualifiziert für den vorhandenen Arbeitsmarkt. Besonders im medizinischen Bereich kam es zu einer Überfüllung, da die Anzahl der Ärzte sich durch die Einwanderung nahezu verdoppelte. Dies führte zu Problemen bei der Umschulung und Eingliederung der Migranten, was oft mehrere Jahre dauerte. Zudem war die Arbeitslosigkeit unter Einwanderern besonders hoch.

Die größte Einwanderungswelle erfolgte unmittelbar nach der Staatsgründung Israels im Jahr 1948. Danach verlangsamte sich die Zuwanderung, erlebte jedoch in den 1960er und 1970er Jahren wieder einen Aufschwung. In den 1980er Jahren nahm die Einwanderung erneut ab, bevor sie in den 1990er Jahren durch die Öffnung des Ostblocks wieder stark anstieg. Besonders aus den ehemaligen Staaten der Sowjetunion kamen zahlreiche jüdische Einwanderer nach Israel. Bis 1999 wurden insgesamt rund 634.000 Menschen aus der GUS-Staaten in Israel aufgenommen, und es wurde erwartet, dass bis Ende des Jahrzehnts weitere 350.000 folgen würden. Insgesamt stammten 90 % der Einwanderer in dieser Zeit aus der GUS. Die Integration dieser großen Anzahl von Zuwanderern stellte eine enorme Herausforderung für die israelische Wirtschaft und Gesellschaft dar, da neue Wohnräume geschaffen, Arbeitsplätze bereitgestellt und Bildungsangebote für die Umschulung organisiert werden mussten. Trotz der hohen Qualifikation vieler Zuwanderer führte der plötzliche Zustrom zu einem Ungleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt und zu einer erhöhten Arbeitslosigkeit in bestimmten Berufsgruppen.

Umwelt

Bis 1988 lag die Umweltpolitik Israels in der Verantwortung des Innenministeriums. Aufgrund der zunehmenden Umweltprobleme wurde jedoch ein eigenes Umweltministerium geschaffen. Israels Geographie und die ungleichmäßige Bevölkerungsverteilung bringen spezifische Herausforderungen mit sich, insbesondere Wasserknappheit, die Ausdehnung der Wüste und Umweltprobleme in Ballungsräumen.

Wüste

Die Aufforstung der Wüste ist seit jeher ein Ziel der zionistischen Bewegung. Bereits vor der Staatsgründung Israels wurden etwa fünf Millionen Bäume gepflanzt. Seit 1948 hat sich diese Zahl auf etwa 200 Millionen  erhöht. Durch gezielte Bewässerung und Bepflanzung wird die Wüstenbildung aktiv zurückgedrängt. Diese Erfahrung kann als Grundlage für eine kooperative Umweltstrategie dienen.

Ballungsräume

Rund 60 % der israelischen Bevölkerung leben in den Ballungszentren Jerusalem-Tel Aviv-Haifa. Die hohe Konzentration an Menschen, gepaart mit einem kleinen Straßennetz und steigenden Kraftfahrzeugzahlen, führt zu erheblichen Verkehrsproblemen. Daher gibt es Überlegungen zum Ausbau von Eisenbahn- und S- Bahn-Systemen.

Energiequellen

Der Energiebedarf Israels wird vorwiegend durch Öl- und Kohlekraftwerke gedeckt. Gleichzeitig wird mit erneuerbaren Energien, insbesondere Solarenergie, experimentiert. Neue Wohnhäuser sind verpflichtet, Solarkollektoren zu nutzen. Israel gilt als bedeutender Standort für die Weiterentwicklung dieser Technologie.

Naturschutz

Israel verfügt über rund 400 Naturschutzgebiete und mehr als 100 Nationalparks. Diese dienen nicht nur dem Umweltschutz, sondern haben auch landwirtschaftliche, archäologische und historische Bedeutung. Allerdings gibt es in städtischen Ballungsräumen kaum noch Möglichkeiten für Naturschutzmaßnahmen.

Wasser

Wasser ist eines der prägenden Elemente der israelischen Umweltpolitik. Die Ressourcen sind ungleich verteilt: Die Hauptniederschläge und Wasserquellen befinden sich im Norden des Landes. Nach dem Krieg von 1948 legte Israel die sumpfige Hule-Ebene trocken, um das Jordanwasser schneller in den See Genezareth abfließen zu lassen und neue Plantagen zu gründen. 1961 begannen Jordanien und andere Nachbarstaaten, den Jordanfluss umzuleiten, was zu politischen Spannungen und militärischen Reaktionen Israels führte. Der Sechstagekrieg 1967 und die Besetzung der Golanhöhen verschafften Israel die Kontrolle über wichtige Wasserquellen. Trotzdem ist Wasser weiterhin ein knappes Gut.

Jüdische Siedler verbrauchen durchschnittlich 330 Liter Wasser pro Tag, während Palästinenser nur 33 Liter zur Verfügung haben. Wasser ist für israelische Verbraucher zudem nur halb so teuer wie für Palästinenser. Die totale Ausbeutung der Grundwasserreserven am Mittelmeer hat zur Versalzung des Wassers geführt, sodass es laut Weltgesundheitsorganisation nicht einmal mehr zur Bewässerung geeignet ist. Zudem wurde der Unterlauf des Jordan stark belastet, und die Fläche des Toten Meeres hat sich seit 1976 um ein Viertel verkleinert. Seit den 1990er Jahren gibt es Bestrebungen, durch ein großangelegtes Infrastrukturprojekt Wasser vom Roten Meer ins Tote Meer zu leiten. Die Höhendifferenz von 400 Metern könnte zur Stromerzeugung genutzt werden und die Entsalzung von Salzwasser ermöglichen. Kritiker befürchten jedoch, dass dieses Projekt das ökologische Gleichgewicht des Toten Meeres weiter destabilisieren könnte. Weitere Strategien zur Wasserbewirtschaftung beinhalten eine Erhöhung der Wasserpreise, eine Begrenzung des Bevölkerungswachstums und eine Umstrukturierung der Landwirtschaft.

Der Friedensvertrag zwischen Jordanien und Israel von 1994 enthielt eine Vereinbarung zur gemeinsamen Wasserbewirtschaftung: Jordanien nutzt im Winter so wenig Wasser wie möglich aus dem Jarmuk, während Israel zusätzlich 20 Millionen Kubikmeter Wasser in seinen See Genezareth pumpt. Im Sommer wird dieses Wasser dann nach Jordanien zurückgeleitet. Ein oft zitierter Ausspruch fasst die Problematik zusammen: „Wenn man Gründe sucht, um Krieg zu führen, bietet das Wasser jede Menge Möglichkeiten. Wenn es aber den politischen Willen zum Frieden gibt, wird das Wasser keine Hinderungsgrenze sein.“

Westbank und Gaza

Vor der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 existierte eine weitgehend einheitliche jüdische und arabische Wirtschaft in Palästina. Mit der Staatsgründung änderte sich die wirtschaftliche Situation jedoch grundlegend. Das Westjordanland und der Gazastreifen wurden von Israel wirtschaftlich abgeschottet und fielen unter die Verwaltung Jordaniens bzw. Ägyptens. Dadurch wurde die zuvor enge wirtschaftliche Verflechtung unterbrochen. Nach dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 nahm Israel die Kontrolle über diese Gebiete ein, und die wirtschaftlichen Beziehungen wurden wiederhergestellt. Trotz der politisch angespannten Lage entwickelten sich die wirtschaftlichen Verbindungen rasch. Ein intensiver Warenaustausch entstand, wobei zwischen 70 und 90 % des Außenhandels des Westjordanlands und des Gazastreifens mit Israel abgewickelt wurden. Zusätzlich spielte die Beschäftigung palästinensischer Arbeiter in Israel eine entscheidende Rolle für die Wirtschaft der Gebiete. Im Jahr 1987 arbeiteten etwa 40 % der Palästinenser aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen in Israel, wobei sie rund ein Viertel des Bruttosozialprodukts dieser Regionen erwirtschafteten.

Die Wirtschaftsstruktur der palästinensischen Gebiete unterscheidet sich erheblich von der israelischen. Während in Israel die Landwirtschaft nur einen Anteil von etwa 5 bis 6 % an der Gesamtwirtschaft hat, beträgt dieser Sektor in den palästinensischen Gebieten rund 30 %. Dienstleistungen machen dort etwa 50 % aus, während die Bauwirtschaft mit 12 % und die Industrie mit 8 % vergleichsweise geringere Anteile haben. Im Vergleich zur hochentwickelten israelischen Wirtschaft bleibt die palästinensische Wirtschaft schwach. Zwar liegt das Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt über dem von Jordanien, Syrien und Ägypten, es erreicht jedoch nur etwa ein Siebtel des israelischen Niveaus. Die hohe Bevölkerungsdichte der Gebiete verstärkt die wirtschaftliche Anfälligkeit, da eine vollständige Abkopplung von der israelischen Wirtschaft gravierende Folgen hätte. Zudem leidet die Wirtschaft unter den politischen Spannungen in der Region. Unruhen und Konflikte schrecken ausländische Investoren ab, wodurch dringend benötigte Kapitalzuflüsse ausbleiben.
Ein weiteres einschneidendes Ereignis war der Golfkrieg von 1990/91. Viele Palästinenser, die zuvor in den ölreichen Staaten des Nahen Ostens beschäftigt waren, verloren ihre Arbeitsplätze. Dadurch versiegte ein bedeutender Finanzstrom in den Gazastreifen und das Westjordanland, was die wirtschaftliche Lage weiter verschärfte. Für Israel hat die Wirtschaft dieser Gebiete in wirtschaftlicher Hinsicht zwar keine überragende Bedeutung, politisch jedoch umso mehr. Eine stabile Wirtschaft und eine gefestigte Sozialstruktur können dazu beitragen, den Einfluss extremistischer Gruppen zu verringern und die Chancen für eine friedliche Entwicklung in der Region zu erhöhen.

Friedensprozess und Wirtschaftsentwicklung

Ein abgeschlossener Friedensprozess würde zweifellos zu einer erheblichen Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen in der Region führen. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass die wirtschaftliche Belastung des Staates durch eine Reduzierung der extrem hohen Militärausgaben wesentlich gesenkt wird. Im Jahr 1993 betrugen diese 6,6 Milliarden US-Dollar, was etwa 9 % des Bruttosozialprodukts ausmachte. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen strebt Israel weiterhin eine starke Verteidigungsfähigkeit an, um möglichen Vertragsbrüchen vorzubeugen. Zum anderen gibt es nach wie vor Staaten im Nahen Osten, die Israel nicht anerkennen und sich nicht an den Friedensverhandlungen beteiligen. Diese geopolitischen Unsicherheiten machen eine drastische Kürzung der Militärausgaben unwahrscheinlich. Auch wenn ein Friedensabkommen nicht zwangsläufig zu einem regionalen wirtschaftlichen Aufschwung für Israel führen würde, könnte es dennoch positive wirtschaftliche Impulse setzen. Durch verstärkte Verknüpfungen mit den benachbarten Wirtschaftsräumen, beispielsweise im Bereich des grenzüberschreitenden Tourismus mit Jordanien oder der Sinai-Region, könnte Israel zur wirtschaftlichen Integration des Nahen Ostens beitragen. Ein gefestigter Frieden würde nicht nur die Grundlage für eine gemeinsame Nahostwirtschaft schaffen, sondern auch die Attraktivität der gesamten Region für ausländische Investitionen erhöhen. Dies könnte einen wichtigen Schritt in Richtung einer stärkeren Integration des Nahen Ostens in die Weltwirtschaft darstellen.

Staat und Parteien in Israel – Raphael Burgdorf

Der israelische Staat basiert auf einer parlamentarischen Demokratie nach westlichem Vorbild. Der israelische Staat besitzt keine geschriebene Verfassung, da man befürchtete, dass durch eine Verfassung sich der Staat in eine religiöse Hälfte und eine nichtreligiöse Hälfte aufspalten würde. Stattdessen gibt es eine Reihe von Grundgesetzen, die vom Knesset mit einer Mehrheit verabschiedet werden, zum Beispiel: das Recht auf Einwanderung aller Juden in den Staat Israel.

Der Knesset (dt: Versammlung) wird alle vier Jahre von der Bevölkerung gewählt, ist also ähnlich aufgebaut, wie das deutsche Parlament. Für die Parteien, die in den Knesset gewählt werden wollen, gilt eine Sperrklausel von 1,5 %. Die Wahlen sind landesweit. Ab 18 Jahren bekommt man das aktive Wahlrecht und ab 21 Jahren das passive Wahlrecht. Der Staatspräsident wird alle fünf Jahre gewählt. Seine Aufgaben sind die Regierungsbildung (Benennung von Knessetmitgliedern), Unterzeichnung von Gesetzen, Ernennung der Richter und des Staatskontrolleurs, etc. Die Regierung wird alle vier Jahre vom Staatspräsidenten einberufen und ist dem Knesset gegenüber verantwortlich. An ihrer Spitze steht der Ministerpräsident. Durch die niedrige Sperrklausel im Knesset setzt sich die Regierung meistens aus einer Koalition zusammen. Der Staatskontrolleur überwacht die Legalität und die Ordnungsmäßigkeit, ebenso wie die Wirtschaftlichkeit des Staates. Er wird in geheimer Wahl vom Knesset gewählt, darf dort aber nicht Mitglied sein. Er nimmt außerdem auch die Beschwerden von Bürgern entgegen.

Die Gerichtsbarkeit besteht aus den Magistrats-, den Distriktgerichten und dem Obersten Gerichtshof. Ebenso gibt es die religiösen Gerichte, die für das Personalrecht zuständig sind. In Israel gibt es bspw. keine Zivilehen. Die höchste Instanz in Israel ist der Oberste Gerichtshof. Seine Entscheidungen sind für alle Gerichte bindend. Auch gibt es die sogen. Spezialgerichte, z.B. Jugendgericht, Arbeitsgericht, Stammesgericht und Militärgericht. Die Stammesgerichte sind für die Beduinen zuständig. Das Militärgericht besitzt eine Sonderform. Es urteilt über die Angehörigen des Militärs und setzt sich aus israelischen und osmanischen Rechten, sowie Regelungen aus der
britischen Mandatszeit und religiösen Rechten von Juden, Christen und Moslems zusammen.
Es gibt im Staat Israel keine eindeutige Trennung zwischen Religion und Staat. Die rabbinischen Gerichte stützen sich auf den Normenkodex der Halacha (aus dem Mittelalter). Die Halacha ist ein allgemeiner Begriff des gesetzlichen Judentums. Sie umfasst Ge- und Verbote, beschreibt Lebensinhalte und Lebensführung. Dadurch stößt ihre Anwendung im täglichen Leben immer wieder auf Probleme. Die zivilen Richter werden von einem Nominierungsausschuss vorgeschlagen und vom Staatspräsidenten auf Lebenszeit ernannt. Sie werden mit ca. 70 Jahren pensioniert. Durch die 1,5 %ige Sperrklausel ergeben sich heute hauptsächlich drei Formationen im Knesset:

  1. der nationalkonservative Likud-Block mit den kleineren rechtsnationalen Parteien
  2. die sozialdemokratische Arbeitspartei mit dem linken Meretz-Block und
  3. religiösen Parteien.

Der Likud-Block (hebräisch: Zusammenschluss) ist durch Spaltung und Nebengruppierungen geprägt.Seinen Ursprung hat er in der Cherut-(Freiheits-)Partei, welche 1948 gegründet und ein stark nationalistisches Parteiprogramm besaß. Sie war viele Jahre lang die einzig wirkliche Oppositionspartei. Sie lehnte bspw. die Wiedergutmachungsgelder der Bundesrepublik 1951/1952 ab und organisierte Anti-Deutschland-Demonstrationen. 1965 bis 1967 bildete sie zusammen mit den liberalen Parteien den Gachal-Block und schloss sich 1973 mit drei kleineren Rechtsparteien zum Likud-Block zusammen. Der Likud-Block bildet so eine gemeinsame Fraktion im Knesset.

1977 wurde der Likud-Block stärkste Fraktion und übernahm zum ersten Mal die Regierungsverantwortung. Unter Ministerpräsident Menachem Begin bildete er von 1984 bis 1990 eine große Koalition mit der Arbeitspartei. Diese Koalition zerbrach allerdings 1990, und die Wahlen zur 13. Knesset brachten 1992 wieder die Arbeitspartei an die Macht unter Ministerpräsident Jitzchak Rabin. Der Likud wird vorwiegend von den unteren sozialen Schichten gewählt und besitzt daher ein umfassendes sozialpolitisches Parteiprogramm, z.B. Förderung des sozialen Wohnungsbaus, den Ausbau von Siedlungen in den besetzten Gebieten wird auch von dem Likud massiv betrieben.

Die Arbeitspartei befand sich seit ihrer Gründung 1968 dauernd in der Regierungsführung. Sie entstand 1968 durch den Zusammenschluss der Mapai (Abk. Mifleget Poale Erez Israel, hebräisch: Arbeiterpartei des Landes Israel) mit der Achdut Haawoda (hebr: Einheit der Arbeiter) und Rafi (Liste der Arbeiter Israels). Die Mapai war seit ihrer Gründung 1930 stärkste Arbeiterpartei. Sie ist sozialdemokratisch orientiert und ihr Gründer war Ben Gurion. Die Arbeitspartei wird vorwiegend aus den sozialen Schichten des Aschkenasim gewählt. Durch der Zusammenschluss vor den Wahlen 1969 mit der linkssozialistischen Mapam (Vereinigte Arbeitspartei) bildete sie das Wahlbündnis Maarach. Die Mapam entstand aus der Kibbuzbewegeung heraus und war in den 50ern und 60ern prosowjetisch eingestellt. Die Kernthesen der Mapam lassen sich in folgendem Wahlslogan beschreiben: „Für Zionismus, für Sozialismus, für Brüderschaft der Völker“. Außerdem war sie relativ araberfreundlich. Durch ihre antikapitalistische Position schied sie allerdings 1984 aus dem Block der Arbeiterparteien aus. Die kommunistische Partei befindet sich seit 1948 ständig in der Opposition und wird vornehmlich von den Arabern gewählt. Sie besitzt ihre Hochburgen in Nordgaliläa und Nazareth und war wiederholt von Spaltungen betroffen.

Die religiösen Parteien sind durch etliche Zersplitterungen geprägt. Die wichtigste religiöse Partei ist die „Nationalreligiöse Partei“ und bildet eine religiös-zionistische Bewegung. Ihr Parteiprogramm enthält z.B. das religiös begründete Recht der Juden auf das „gelobte Land“. Ende der 70er Jahre wechselten immer mehr ihrer Führer zu nationaleren Lagern, z.B. Bewegung der jüdischen Siedler im Westjordanland, Gusch Emunim (Block der Getreuen). Seit 1977 ist die Nationalreligiöse Partei mit dem Likud verbündet, bekommt aber immer weniger Wähler. 1912 wurde die Agudat Israel (Vereinigung Israel) von extrem orthodoxen deutschen Juden gegründet und bildet eine antizionistische Bewegung. 1988 bildete sie die zweitstärkste religiöse Partei. Sie forderte die Durchsetzung religiöser Positionen in allen Lebensbereichen. Die stärkste religiöse Partei ist die Schass-Partei (Saphardische Thorawächter) und wird fast ausschließlich von den Sepharden gewählt. Sie setzt sich gegen die soziale Benachteiligung der orientalischen Juden ein und bevorzugt eine Friedenspolitik. Dadurch trennte sie sich von dem Likud und ging 1992 eine Koalition mit der Arbeitspartei ein. Die extremste religiöse Partei ist wohl die Degel-ha-Thora (Thora-Banner). Sie erreichte erstmals 1988 1,5 % der Stimmen und bekam so einen Sitz im Knesset. Durch ihre antizionistische Haltung besitzt sie eine ziemlich kompromissbereite Einstellung gegenüber den besetzten Gebieten. Sie lehnt den weltlichen Charakter des Staates ab. Die gemeinsame Wahlliste von der Agudat Israel und dem Thora-Banner 1992 bekam 3,2 % der Stimmen.

Menschen – Nora Kraft

Als Sabras bezeichnet man die in Israel geborenen Juden, die etwa 58 % der Bevölkerung ausmachen.

Die Aschkenasim sind Juden aus West- und Osteuropa, die nach Israel eingewandert sind. Dazu gehören auch die aus Deutschland geflüchteten Juden, die als „Jeckes“ bekannt sind – eine Bezeichnung, die auf ihre Gewohnheit zurückgeht, nie ohne Jackett aus dem Haus zu gehen. Diese Gruppe brachte viele Denk- und Handelsweisen mit, die für Israel prägend waren. Sie förderten insbesondere das Arbeitsethos, und unter ihnen befanden sich viele Überlebende der Konzentrationslager. Insgesamt sind 39 % der israelischen Bevölkerung religiöse Juden.

Die Sephardim stellen etwa 43 % der israelischen Bevölkerung und stammen aus Ländern wie Marokko, Libyen, Libanon, Jemen, Ägypten, Georgien, Griechenland, Afghanistan und der Türkei. Anfangs waren sie den Aschkenasim untergeordnet, was zu Problemen führte. Mit der Zeit erlangten sie jedoch ihr Selbstbewusstsein zurück und setzen sich heute dafür ein, dass ihre kulturellen Eigenarten akzeptiert und berücksichtigt werden.

Etwa 15.000 äthiopische Juden kamen 1985 nach Israel. Sie betrachten sich als Nachkommen von König Salomo und richten sich stark nach den schriftlichen Gesetzen der Thora, ohne die mündlichen Überlieferungen der rabbinischen Tradition zu kennen. Dies führte zu theologischen Auseinandersetzungen mit den Rabbinern in Israel. Obwohl es anfänglich Anpassungsschwierigkeiten gab, ist die Hälfte der äthiopischen Juden unter 18 Jahre alt und wächst zunehmend in die israelische Gesellschaft hinein.

Rund 150.000 Araber blieben nach 1948 in Palästina und wuchsen bis heute auf etwa 950.000 an. Die Mehrheit (77 %) ist muslimisch, 13 % sind Christen, der Rest gehört den Drusen oder Beduinen an. Eine der wenigen gesetzlichen Unterschiede besteht darin, dass sie keinen Wehrdienst leisten müssen, jedoch freiwillig in die israelische Armee eintreten können. Während 1948 noch 95 % der arabischen Bevölkerung Analphabeten waren, liegt die Analphabetenrate heute bei nur noch 5 %.

Etwa 1,2 Millionen Palästinenser leben in der Westbank und im Gazastreifen.

Die christliche Bevölkerung Israels beträgt rund 100.000 Menschen. Die größten Gruppen sind:

  • 35.000 griechisch-katholische Christen
  • 32.000 griechisch-orthodoxe Christen
  • 20.000 römisch-katholische Christen
  • 1.000 arabische Protestanten

Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu Zusammenstößen zwischen jüdischen Siedlern und Drusen, da letztere sich bedroht fühlten. Trotz dieser Konflikte entwickelte sich ein insgesamt gutes Verhältnis, und viele Drusen dienen heute in der israelischen Armee oder im Grenzschutz. Der Libanonkrieg von 1982–84 stellte eine Belastungsprobe dar, da drusische Soldaten in der israelischen Armee gegen drusische Einheiten im Libanon kämpften – dennoch blieb die Bindung bestehen. Heute leben etwa 70.000 Drusen im Karmelgebirge und 15.000 auf den Golanhöhen. Ihre Dörfer ähneln arabischen Dörfern, jedoch unterscheiden sie sich in der Kleidung: Drusen tragen kein schwarzes Stirnband, und Männer dürfen ab dem 40. Lebensjahr einen Schnurrbart tragen. Während viele an ihrer kulturellen Identität festhalten und nur untereinander heiraten, gibt es auch junge Drusen, die sich entweder stärker mit dem Islam identifizieren oder sich in die jüdische Gesellschaft integrieren.

Die drusische Religion wurde erst 1957 offiziell anerkannt und weist Ähnlichkeiten mit dem Islam auf. Sie betont moralische Grundwerte wie das Verbot von Ehebruch, Diebstahl und Mord. Jedes Jahr findet eine Pilgerfahrt zum angeblichen Grab Jethros in Galiläa statt. Ursprünglich waren die Drusen Bergbauern, haben aber durch moderne Landwirtschaftstechniken neue Methoden übernommen. Dennoch bestehen traditionelle Handwerkskünste wie Weberei, Teppichknüpferei und Korbflechterei weiterhin fort. Während viele junge Drusen in der Industrie oder im Dienstleistungssektor arbeiten, ist auch der Militärdienst ein häufiger Berufsweg.

In Israel leben etwa 70.000 Beduinen, von denen rund 20 % in der Negev-Wüste ansässig sind. Viele leben noch in Zelten mit ihren Schafherden, doch zunehmend ziehen sie in feste Behausungen und finden Beschäftigung in der Bauwirtschaft, Industrie sowie im Transport- und Dienstleistungssektor.

Das Leben Mohammeds, des Propheten und Stifters des Islam – Sebastian Sartorius

Das Leben Mohammeds

Das Wort „Islam“ bedeutet „Ergebung“.
Mohammed wurde um 570 in Mekka geboren, im heutigen Saudi-Arabien. Seine Familie war arm, und sein Vater, ein Kaufmann, verstarb kurz vor seiner Geburt. Seine Mutter starb sechs Jahre später. Zunächst wuchs Mohammed bei seinem Großvater auf, später bei seinem Onkel. Mit 20 Jahren trat er in den Dienst der wohlhabenden Kaufmannswitwe Chadidscha als Kamelkarawanenführer. Die beiden heirateten im Jahr 595. Aus dieser Ehe gingen vermutlich sechs oder sieben Kinder hervor, darunter vier Töchter. Schon früh machte sich Mohammed mit dem Judentum und Christentum vertraut. Im Alter von etwa 40 Jahren sprach er erstmals mit wenigen Vertrauten über seine Berufung als Prophet und die Botschaften, die er von Allah empfangen habe. Seine erste Offenbarung erhielt er der Überlieferung nach in einer Nacht des Monats Ramadan durch den Erzengel Gabriel – ein Ereignis, das als „Nacht der Bestimmung“ bekannt wurde. Ihm wurden Auszüge des Korans aus dem im Himmel verwahrten Urbuch Allahs offenbart. Danach folgte eine längere Zeit ohne weitere Offenbarungen, wodurch Mohammed an seiner Berufung zu zweifeln begann. Schließlich erhielt er eine zweite Offenbarung, die ihn zur Geduld und zum Ausharren ermahnte. Fortan setzte er sich dafür ein, die bestehende Stammesordnung der Araber aufzulösen und eine neue Gesellschaft zu gründen, die an den alleinigen Gott Allah glaubte. Zudem engagierte er sich für sozial Benachteiligte. Er kritisierte die Gier nach Reichtum und forderte die Freilassung von Sklaven sowie eine bessere Behandlung von Witwen und Waisen. Während viele Menschen, darunter zahlreiche Sklaven, sich ihm anschlossen, stieß er auf erheblichen Widerstand seitens der reichen Oberschicht Mekkas. Viele seiner Anhänger wurden verfolgt und mussten fliehen, während Mohammed durch seine Stammeszugehörigkeit zunächst geschützt blieb.

Ein wesentlicher Konfliktpunkt mit den Mekkanern war die Gottesvorstellung. Während sie an drei Göttinnen glaubten, predigte Mohammed den Glauben an den einen Gott, Allah. Er prophezeite, dass alle Menschen vor ein Endgericht gestellt würden: Diejenigen, die seine Botschaft ablehnten, sollten nach dem Tod Qualen erleiden, während die Gläubigen in paradiesischen Gärten mit kühlem Schatten, frischen Bächen und köstlichen Früchten belohnt würden. Einer Überlieferung zufolge wurde Mohammed eines Nachts von einem Wesen mit Menschenkopf von der Kaaba in Mekka nach Jerusalem und von dort in den Himmel gebracht10 [?, 2] Dieses Ereignis machte Jerusalem zu einer heiligen Stätte des Islams, an das heute die Al-Aqsa-Moschee erinnert.

Im Jahr 621 baten ihn sechs Pilger aus Jathrib (später Medina), einen Streit zwischen dort lebenden arabischen und jüdischen Stämmen zu schlichten. Sie hatten von Mohammeds Konzept einer gerechten Gemeinschaft gehört. Daraufhin siedelte er um, verlor jedoch den Schutz seines Stammes, wodurch er nun ungehindert verfolgt werden konnte. Diese Umsiedlung im Juli 622 markierte den Beginn der islamischen Zeitrechnung. In Jathrib setzte Mohammed seine Reformen fort, indem er die Stammesgrenzen abschaffte. Später wurde Jathrib in Medina, „Stadt des Propheten“, umbenannt. Mohammed versuchte, auch die jüdischen Stämme für seine Lehren zu gewinnen. Er führte die Gebetsrichtung nach Jerusalem ein und übernahm den Aschura-Tag, doch die meisten Juden folgten ihm nicht. Enttäuscht änderte er daraufhin die Gebetsrichtung nach Mekka und machte die Wallfahrt dorthin zur religiösen Pflicht. Zudem wurde das Fasten im Monat Ramadan eingeführt, da Mohammed in diesem Monat den Koran offenbart bekommen hatte.

Im Jahr 632 heiratete Mohammed die damals neunjährige Aischa, während er selbst 53 Jahre alt war. In den Jahren zuvor kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Mekkanern und den Muslimen, die letzteren sahen den Kampf als heiligen Krieg (Dschihad) an. Mohammed erklärte dazu: „Und wähnet nicht die in Allahs Krieg Gefallenen für tot; nein, lebend bei ihrem Herrn werden sie versorgt. “ Neben den Kämpfen gegen Mekka wurden auch jüdische Stämme in Medina vertrieben, da ihnen Kollaboration mit den Feinden vorgeworfen wurde. Im Jahr 630 eroberte Mohammed Mekka mit einem großen Heer, und die Stadt wurde zum zentralen Kultort des Islams. Am 8. Juni 632 verstarb Mohammed in Medina.

Alltag

Die Grundlagen der Religion des Islam basieren auf fünf zentralen Säulen, die bereits seit Jahrhunderten das religiöse Leben der Gläubigen prägen. Diese Säulen sind das Glaubensbekenntnis, das Gebet, die Abgaben zugunsten der Bedürftigen (Zakat), das Fasten im Monat Ramadan und die Wallfahrt nach Mekka. Trotz der tiefen historischen Verwurzelung dieser Praktiken haben sich einige Aspekte des religiösen Lebens durch die moderne Technik verändert. So werden beispielsweise Freitagsgebete heute häufig über Rundfunk und Fernsehen übertragen, wo durch auch Menschen in entlegenen Gebieten an den religiösen Zeremonien teilnehmen können. Zudem nutzen Prediger diese Übertragungen, um politische Botschaften zu verbreiten, sodass das Freitagsgebet oft als politisches Instrument dient.

Das tägliche Leben eines gläubigen Muslims ist durch das fünfmalige Gebet strukturiert, das zu festen Tageszeiten verrichtet wird. Die Gebetszeiten richten sich nach dem Stand der Sonne und sind somit vorgegeben, unabhängig davon, was eine Person gerade tut, beispielsweise beim Lesen der Zeitung. Vor dem Gebet ist eine rituelle Reinigung erforderlich, bei der Gesicht, Hände, Unterarme und Füße gewaschen werden. Während Männer beim Gebet lediglich den Bereich zwischen Nabel und Knie bedecken müssen, ist es für Frauen erforderlich, den gesamten Körper außer Gesicht und Händen zu verhüllen. Besonders bedeutend ist das Freitagsgebet, das mittags in der Moschee abgehalten wird und zu dem alle Männer über 18 Jahren zugelassen sind. In der heutigen Zeit werden hierbei oft auch politische Themen angesprochen.
Eine zentrale religiöse Pflicht stellt das Fasten im Monat Ramadan dar. Während dieser dreißigtägigen Periode ist es den Gläubigen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang untersagt, zu essen, zu trinken, zu rauchen oder Geschlechtsverkehr zu haben. Kinder werden schrittweise an das Fasten herangeführt, während Schwangere, Kranke und Soldaten im Krieg davon befreit sind. Da tagsüber der Verzicht auf sinnliche Genüsse gilt, verlagert sich das gesellschaftliche Leben in die Nachtstunden, in denen gegessen und getrunken werden darf. Zudem gibt es zahlreiche Veranstaltungen wie Koranrezitationswettbewerbe, Tanzdarbietungen und Andachten. Während des Ramadan sind viele Städte, insbesondere die Moscheen, festlich beleuchtet. Der Koran nimmt im Islam eine zentrale Stellung ein und gilt als direkte Wiedergabe der Offenbarungen, die der Prophet Mohammed empfangen hat. Daher wird der Koran nur in der arabischen Sprache als das unverfälschte „Wort Gottes“ betrachtet. Er ist in 114 Kapitel, sogenannte Suren, gegliedert, die wiederum in insgesamt 6236 Verse unterteilt sind. Der Koran regelt nicht nur das religiöse, sondern auch das gesellschaftliche Leben der Muslime. Die wichtigste Glaubensaussage lautet: „Es gibt keinen Gott außer Gott, und Mohammed ist sein Prophet.“ Jeder, der dieses Bekenntnis teilt, gilt als Muslim. Neben dem Glaubensbekenntnis gehören auch das Gebet, die Armensteuer (Zakat), das Fasten im Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka zu den wesentlichen Pflichten eines gläubigen Muslims. Die Armensteuer war ursprünglich eine freiwillige Gabe, wurde jedoch später als verpflichtende Steuer eingeführt. Die Pilgerfahrt nach Mekka ist eine bedeutende religiöse Praxis, bei der die Zahl Sieben eine besondere Rolle spielt: So müssen Pilger siebenmal die Kaaba umschreiten, sieben Läufe zwischen zwei nahegelegenen Plätzen absolvieren und an bestimmten Tagen sieben Steine auf festgelegte Stellen werfen. Der Aufenthalt in Mekka
dauert in der Regel eine Woche.

Das religiöse Leben wird von bestimmten Amtsträgern geleitet. Der Imam fungiert als Vorbeter und Leiter des Gottesdienstes, während die Mullahs als Rechtsgelehrte eine wichtige Rolle im religiösen Alltag spielen. Sie sind mit den jüdischen Schriftgelehrten vergleichbar und beanspruchen, Männer der Wissenschaft zu sein. Eine Moschee verfügt typischerweise über eine Gebetsnische, die in Richtung Mekka zeigt, eine Kanzel für die Freitagspredigt, ein Koranpult sowie eine Waschanlage. Das Minarett dient dem Muezzin als Gebetsturm, von dem aus er zum Gebet ruft.

Die Rolle der Frau in der Ehe ist durch traditionelle Strukturen geprägt. Der Mann kann ihr untersagen, das Haus ohne Erlaubnis oder ohne Schleier zu verlassen. Die Ehe wird durch ein vertragliches Brautgeld besiegelt. Ehebruch wurde in früheren Zeiten mit der Todesstrafe geahndet, indem die Schuldige lebendig eingegraben wurde. Bereits bei der Geburt eines Kindes spielt die Religion eine große Rolle. Unmittelbar nach der Geburt wird dem Neugeborenen der Gebetsruf ins Ohr geflüstert. Am siebten oder vierzehnten Tag nach der Geburt erhält das Kind seinen Namen, und sowohl Jungen als auch Mädchen werden traditionell beschnitten. Mohammed selbst soll nach Überlieferung bereits beschnitten zur Welt gekommen sein. Beim Tod eines Muslims wird der Verstorbene parallel zur Gebetsrichtung nach Mekka begraben. Nach islamischem Glauben befragen Engel den Verstorbenen über seinen Glauben an Allah, woraufhin sein Schicksal in Himmel oder Hölle entschieden wird.

Die Armee Israels – Nora Kraft

Die Streitkräfte

Die israelischen Streitkräfte, auch bekannt als Zahal oder Israel Defense Forces (IDF), sind vorrangig auf die Sicherstellung der Sicherheit des jüdischen Staates ausgerichtet. Der Kern der Armee besteht aus einer Berufsarmee, die sich aus Offizieren und Unteroffizieren zusammensetzt. Durch das gut organisierte Reservistensystem kann die IDF innerhalb von 24 Stunden eine Gesamtstärke von bis zu 645.000 Soldaten erreichen, von denen etwa 500.000 Reservisten sind. Männer bleiben bis zum 55. Lebensjahr Reservisten, während Frauen bis zum 38. Lebensjahr in der Reserve verbleiben. Jährlich werden sie für etwa einen Monat zu militärischen Übungen einberufen. Der reguläre Wehrdienst beträgt für Männer drei Jahre und für Frauen zwei Jahre. Allerdings gibt es Gruppen, die vom Wehrdienst ausgeschlossen sind. Dazu zählen religiöse Frauen, Schüler orthodoxer Jeschiwot (Bibel-Schulen), da das Studium der Thora als vorrangig angesehen wird, sowie arabische Bürger. Dennoch gibt es unter den arabischen Israelis Freiwillige, vor allem unter den Beduinen, die in den israelischen Streitkräften dienen. Frauen leisten ihren Dienst hauptsächlich im Frauencorps „Chen“ und übernehmen dort Aufgaben in der Verwaltung der Streitkräfte, der Fachausbildung, der Krankenpflege sowie in den Bereichen Kommunikation und Geheimdienst. Sie dienen jedoch nicht in Kampfeinheiten. In den letzten Jahren hat sich das Einsatzgebiet von Frauen erweitert, sodass sie zunehmend als Ausbilderinnen in der Marine, der Luftwaffe und weiteren technischen Bereichen tätig sind.

Weitere militärische und sicherheitsrelevante Einrichtungen